|
Freunde hat man dann am nötigsten, wenn es kriselt. Leider sind auch ausgerechnet dann alle sogenannten Freunde letztlich nur nette Bekannte, die
die Flucht ergreifen, wenn’s ernst wird.
Ich verwende das Wort “Freund” nur noch sehr, sehr selten, wenn ich jemanden aus meinem Bekanntenkreis vorstelle. Und das mit gutem Grund. Ich
werde von einigen Leuten dann doch als Freundin bezeichnet, und die heulen sich auch gerne mal bei mir aus. Ein paar merken auch tatsächlich, wenn ich richtig übel drauf bin und am Liebsten nur noch sterben möchte.
Was aber so gut wie alle nicht kapieren, ist, dass man auch mal einfach nur ausrastet, wenn’s einem dreckig geht. Dass man mit Sachen um sich wirft, sich hemmungslos betrinkt, sich abgrundtief peinlich daneben
benimmt, jedem das an den Kopf knallt, was man ihm schon immer mal sagen wollte, aber bisher für sich behalten hat, um dem Anderen nicht die Gefühle zu verletzen...
Es ist leicht, mich zu mögen, wenn ich gut drauf bin, Jokes reisse und mir die Sonne aus dem Arsch scheint. Es ist auch leicht, mit mir Mitleid zu
haben, wenn ich zusammenbreche und heule wie ein Baby. All die komplizierten kleinen Gemütszustände dazwischen, mit meinen Anfällen von absoluter Ungeduld, Gehässigkeit, Wut,
Hass, Aggressivität, Sarkasmus vertragen aber offensichtlich nur sehr wenige Menschen bei mir.
Freunde kommen damit klar, wenn man sie mal anschreit. Freunde stecken notfalls mal ein bisschen was ein, wenn es sein muss. Freunde kommen
anschließend trotzdem zurück zu einem und sagen "War schon okay, ich weiss, wie’s gemeint war!”. Freunde erwarten nicht für alles, was nicht nach Plan gelaufen ist, eine Entschuldigung.
Aber Freunde treten einem in den Arsch, wenn man’s nötig hat. Und sie bölken zurück, wenn man sonst gar nicht mehr auf dem Teppich zu bleiben
droht. Und sie sagen einem die Meinung über das, was man mit Anderen so angestellt hat in der eigenen Beschränktheit. Nicht, um zu beschuldigen, sondern um einen wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen: “Sieh
Dir an, was Du angestellt hast! Daran würde ich an Deiner Stelle mal gehörig arbeiten!”
Freude helfen einem, nach dem großen Inferno die Scherben zusammenzukehren und zur Tagesform zurückzufinden. Freunde nehmen einen dann in den Arm,
wenn man es wirklich braucht.
Und dafür verdienen Freunde dein ganzes verdammtes kleines Herz. Und natürlich dann eine Entschuldigung, wenn man wieder klarkommt und merkt, was
man für ein ausgekochter Idiot war.
Und Leute, immer dran denken: Mag sein, dass Ihr gelegentlich fast wahnsinnig werdet mit mir. Mag auch sein, dass ich da manchmal etwas zu viel
von Euch erwarte. Aber wenn ich mich tatsächlich mal entschuldige, tut’s mir wenigstens auch wirklich leid! Ehrenwort!
|