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09.04.2006

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Was ich schon immer 
mal loswerden wollte...

Mein kleines, bescheidenes Weltbild habe ich mir in jahrelanger Kleinarbeit zurechtgerückt. Okay, zwischendurch wurde das gesamte Konzept mehrmals komplett umgeschmissen und neu konstruiert, aber alles in Allem meine ich, jetzt zumindest so weit fortgeschritten zu sein, dass ich mal ein paar grundsätzliche Dinge anmerken kann.

Also, hier nun meine erleuchtenden Erkenntnisse. Lest und lernt:

Jungs

Merken: Jungs sind das Letzte. Verlass dich nie auf einen Kerl. Egal, was kommt. Lass es einfach.

Mädels

Mädels sind noch schlimmer als Jungs.

Familie

Die Waltons sind eine Erfindung! Nimm deine Familie ernst und wichtig, aber überzieh sie nicht mit Zuckerguß. Familien ohne Zoff gibt es nicht, und Probleme totzuschweigen bringt überhaupt nix. Friede, Freude, Eierkuchen ist für Tucken, also knall deinem bescheuerten Onkel ruhig von Anfang an an den Latz, was du von so einem Nassauer denkst. Sätze wie "Ich bin immerhin der Bruder Deiner Mutter!" kann man schließlich problemlos mit "Ist das etwa meine Schuld?" kontern. Das sorgt auf jeden Fall für Stimmung auf jeder Familienfeier!

Lass niemals jemand anderes für dich Entscheidungen treffen. Gute Ratschläge sind okay, Diktatur aber ist Mist und zwar auch dann, wenn sie von Mama, Papa, Oma oder dem Mann im Mond ausgeübt wird.

Freunde

Echte zu finden ist beinahe unmöglich, und selbst wenn du glaubst, jemanden gefunden zu haben, auf den du dich bedingungslos einlassen kannst: tu es nicht!

Entweder stellt sich über kurz oder lang heraus, dass du doch wieder der falschen Person vertraut hast, oder du machst dich dermaßen abhängig, dass du am Ende nur noch die mit der Pappnase bist.

Menschen, die du seit dem Kindergarten gekannt und ins Herz geschlossen hast, die dir X-mal in den Armen gelegen haben und geschworen haben, dass du ihre beste Freundin bist und sich auch nach der Schulzeit daran nichts ändert, lassen dich mit den Worten "Ich melde mich auf jeden Fall" nach der letzten großen Abi-Party stehen und rufen dich nie wieder an. Menschen, die dir ihre ewigen Problemchen stets bereitwillig vor die Füsse gekotzt haben, sehen dich nur kurz an, wenn du mit "Ich brauche dich jetzt"-Blick um die Ecke kommst, weil's dir absolut dreckig geht. Glaub mir, du erkennst in ihren Augen das "Schön und gut, aber ICH brauche DICH NICHT, also was?", bevor sie überhaupt den Mund aufgemacht haben. (Kommt übrigens erst so richtig gut, wenn man grade fast gestorben wäre.)

Besonders eklig wird es aber, wenn der andere echte Probleme hat, und du dich für ihn mit daran zerfrisst. Oder wenn du jemanden an irgendeiner fiesen Krankheit langsam dahinsiechen siehst. Oder wenn jemand dem angeblichen Traumpartner verfällt (Haaaach, ja... siehe "Jungs" und "Mädels" sowie "Liebe"!) und sich wissentlich völlig zum Affen macht. Wenn du da nicht mehr auf ein bisschen Distanz gehen kannst, ist schon alles zu spät.

Halte immer Abstand, dann tust du dir wenigstens nur selber weh. Und du kannst immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht über die Heldentaten berichten, die deine Kumpels im Vollrausch so vollbringen, ohne dass hinterher irgendwer wirklich Wichtiges deshalb nicht mehr mit Dir spricht.

Klappt das mit dem Abstand doch wieder nicht, ist eh alles egal. Keine halben Sachen, also greif ruhig richtig ins Klo: Gib einfach alles, was du kannst, hoff', dass was zurückkommt - und rechne mit dem Schlimmsten.

Liebe

Liebe ist etwas, was man nie wirklich gebrauchen kann. Wenn sie sich auf einen stürzt, ist man sofort rettungslos süchtig nach dem Krankheitsüberträger. Begleiterscheinungen wie völlige Irrationalität, rosa Brille, der große Höhenflug, der tiefe Fall und die nächtelangen Depressionen und Saufgelage treten unter Garantie auf. Natürlich wird man die Liebe dann kaum wieder los, ohne sich dauerhafte Narben zuzulegen. Ausnahmen gibt es nicht, es dauert nur manchmal länger. Jemand sollte endlich einen Impfstoff dagegen entwickeln.

Hast du dich doch wieder verliebt, herzliches Beileid und s.o., also: Gib einfach alles, was du kannst, ...

Arbeit

Völlig unsinnige Erfindung. Sag nie wieder "Die 4-Wochen-Tour durch die Staaten mache ich halt erst in zwei Jahren" (Ist inzwischen schlappe 4 Jahre her...) oder "Ich kann meinen Jahresurlaub ja auch im Dezember noch nehmen", nur weil's auf der Arbeit grade nicht so passend wäre, denn besser passen wird es eh nie und danken tut's dir auch keiner. Fährst du morgen gegen einen Baum, geht die Welt für die Kollegen auch nicht unter. Ein Job ist nur ein Job, selbst wenn er Spaß macht. Es gibt viel Wichtigeres als das.

Ziele

Gar nicht erst welche stecken, geht eh alles schief. Rechne lieber immer mit dem Schlimmsten (zur Abwechslung mal!), dann ist jedes bessere Resultat ein echter Knaller und du hast wenigstens ein bisschen Spaß am Leben. Feiere deine Misserfolge noch heftiger als die Erfolge, denn es ist astrein, über sich selbst lachen zu können. Meine Güte, alle anderen tu'n das schließlich auch, also los, nur keinen falschen Stolz!

Essen

In meinem nächsten Leben esse ich vom Anfang an keine toten Tiere. Besonders keine Anchovis.

Ganz wichtig: Nie wieder "Ich!!" auf die Frage "Wer will denn mal den Ziegenkäse probieren?" antworten: saudumme Idee! Unmengen von Joghurt sind aber völlig in Ordnung.

Alkohol

Nie, nie wieder!!!

Es sei denn, es ist Tullamore Dew. Oder Glenfiddich. Oder irgendein anderer Insel-Whisk(e)y. Oder Long Island Ice-Tea. Oder White Russian. Oder Desperados. Oder Weizenbier. Oder...

(Hey, einen Versuch war's wert...)

Sex

Ja, bitte! Aber diesmal bitte gleich von Anfang an nur vom richtig guten!

Filme

Ich wüsste nicht, was an Filmen verkehrt sein könnte, solange man darauf achtet, keine mit Julia Roberts oder Richard Gere zu gucken. Naja, drauf zu achten, dass nirgends Charles Bronson durch's Bild rennt, hilft auch noch echt weiter.

Ganz schlimm sind Filme, deren Titel mit römischen Zahlen enden. Und Stalone-Streifen (und bitte äußerste Vorsicht bei einer Kombination der beiden vorgenannten Merkmale!). Und vermeide so ziemlich alle Schwarzeneggerfilmchen. Besonders die, wo er schwanger wird oder winzigkleine Zwillingsbrüder hat. Entwarnung gilt allerdings, wenn er deine Kleider, deine Stiefel und dein Motorrad haben will. Das ist okay.

Richtig übel sind Filme mit dem Sternenbanner, einem Asteroiden, keinerlei physikalischen Gesetzen, Bruce Willis UND Ben Affleck. Unbedingt vermeiden!

(Also gut, bei Filmen kann man jede Menge falsch machen... )

Garten

So klasse es auch sein mag, gemütlich in der Sonne zu liegen und ein kühles Bierchen zu zischen: vermeide einen riesengroßen Garten, wenn du nicht gleichzeitig genug Kohle für einen Gärtner hast.

Ich sach nur "Unkrautzupfen"! Wer erst damit anfängt, wenn er sonst ohne Karte, Kompass und Machete das Haus nicht mehr wiederfindet, sollte sich ohnehin überlegen, ob er nicht lieber eine Malaria-Impfung vornehmen lassen sollte, bevor es losgeht. Wer sogar so wahnsinnig ist und seinen 10 m³-Kompostberg umschichten will, muss vor dem Großkampfeinsatz noch die Starship Troopers zur Hilfe rufen - ganz tief im Inneren versteckt sich garantiert ein Brainbuck.

Dafür findet man beim Rasen kürzen (sprich: bei der Brandrodung) eventuell noch die sterblichen Überreste der verschollenen Gäste von der letzten Party wieder. Mann, du hattest sie ja gewarnt, den Weg zur Straße bloß nicht durchs hohe Gras abzukürzen, weil dort wieder die Raptoren auf der Lauer liegen könnten. Die meterhohen wogenden Gräser vor dem Sonnenuntergang mit dem einsamen Baum im Hintergrund haben natürlich etwas, was man sonst nur aus "Serengeti darf nicht sterben" kennt, komplett mit akustischer Untermalung durch die Rufe exotischer Raubtiere in der einbrechenden Dunkelheit... Ach, Quatsch, das sind bloß wieder die rolligen Katzen aus der Nachbarschaft.

Also, Garten klein halten, selbst auf dem winzigsten Beet finden Deine Kumpels schließlich noch genug Platz zum Reihern und Kippen Hinwerfen.

Putzen

Komme ich da irgendwie drumrum? Nein. Macht dieser Punkt dann einen Sinn? Nicht wirklich...

 

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