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Da sitzt Du so im Büro, überlegst angestrengt, wie Du Deinen Vermerk zu Ende schreiben sollst, ohne dass auffällt, dass Du gar nicht so
genau weißt, was Du sagen willst, und guckst dabei so vor Dich hin aus dem Fenster.
Über den Hinterhof der Postfiliale hinweg blickst Du, ohne wirklich hinzusehen, auf mehrere Wohngebäude, und so ziemlich auf Augenhöhe
sind einige Fenster recht nackt, da die Wohnung dort wohl unbewohnt ist. Du jonglierst in Gedanken mit Begriffen, kaust dabei auf Deinem Kugelschreiber rum, dem man das inzwischen echt ansieht, und stehst so'n
bisschen auf Leerlauf im Schädel.
Da merkst Du, dass sich in der Wohnung gegenüber was tut. Ein junger Mann in Malerklamotten, bewaffnet mit Leiter, Eimern und diversen
anderen Utensilien, macht sich ziemlich genau vor einem der Fenster breit und beginnt, beschäftigt auszusehen. Klebt was ab, so wie's aussieht.
"Der Kunde ist zu einer Teilnahme an der Fortbildungsmaßnahme bereit, sofern die Übernahme der Fahrtkosten gesichert ist",
tickerst Du in die Tastatur, merkst, dass der Text zu lang ist für das Programm und überlegst, wie Du das Ganze in möglichst unverständliche Abkürzungen packst (die Kollegen sollen ja auch mal Spaß haben), während
der Maler nebenan über dem Fenster rumhantiert.
Drüben erscheint derweil ne junge Frau. Sie kitzelt dem Maler in den Rippen rum, der lässt sein Kreppband fallen, man flaxt miteinander
rum. "K sagt ok zu FM" kürzt Du grade so vor Dich hin, als plötzlich der Hechtsprung des Handwerkers Deine Aufmerksamkeit endgültig vom Rechner wegreisst: der Bengel greift an! Innerhalb von wenigen
Augenblicken hat der nicht nur das Gesicht, den Hals und den Ausschnitt der jungen Dame abgeknutscht, sondern auch mal eben den Pulli entfernt. "Oh. Schwarzer BH. Könntest Du Dir auch mal wieder einen
zulegen", denkst Du so, während die beiden gegenüber im wilden Handgemenge eine neue Nutzungsmöglichkeit für die Trittleiter entdecken: die Dame wird quer über die Sprossen ausgebreitet. Sehr biegsam im Rücken,
die Kleine. Als es definitiv so aussieht, als rödele das Mädel dem Renovierer grad seine Hose auf, beschließt Du, es ist Zeit zum Irgendwas-extrem-Wichtiges-machen, aber gnädigerweise ziehen die beiden in diesem
Moment eh auf den Fußboden um und verschwinden aus dem Blickfeld.
"Prost, Popper!" hebst Du Deine Teetasse Richtung Nachbarschaft. So macht Renovieren doch Spaß! Der im Ansatz aufkeimende
Neid wird durch die Vorstellung von auf dem Teppichboden aufgescheuerten Knien ein wenig gedämpft. Ausserdem: Dein Telefon klingelt, Dude. Arbeite weiter!
Einige Telefonate später fällt Dein Blick wieder aus dem Fenster. Passiert ganz automatisch, Du bist ja jetzt angefixt. Ein bisschen
Spanner steckt wohl wirklich in jedem. Nebenan ist man aus der Spielphase raus: der schwarze BH verschwindet wieder unterm Pulli, die Malerhose sitzt auch wieder da, wo sie hingehört, und während Sie sich mit einem
Küsschen verabschiedet und anscheinend die Hütte verlässt, klettert Er wieder mit seinem Kreppband auf die Leiter. Nun ja.
Zwei Kunden kommen zu Dir, Du machst Beratungsgespräche und telefonierst noch ein paar Mal. Mittagspause. Danach Einladungen
vorbereiten. Irgendwann guckst Du wieder rüber. Der Maler macht Pause und sitzt, die Beine fröhlichst nach draussen baumeln lassend, auf dem Fensterrahmen und kippt sich ein Bierchen rein. Mein Blick auf die Uhr
verrät, es ist 15h, was mir eine gute Zeit für'n Frühschoppen erscheint. Sieht die mit dem schwarzen BH allerdings anders, denn die kommt grad reingestürmt, reisst den armen Bengel an den Schultern zurück ins Zimmer
und meckert rum, wobei ich annehme, es geht um freien Fall aus 6 Metern Höhe oder so was in der Art. Jedenfalls wird das ein oder andere Mal zum Fenster gestikuliert. Ich rühre derweil in einer Tasse
Tütencappuchino, denn ein bisschen was gönnt man sich ja auch mal. Drüben wächst der kleine Streit anscheinend zu einer echten Krise heran.
Höhö.
Ach ja.
Andere Leute gucken "GZSZ", ich hab mein Bürofenster...
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