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09.04.2006

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Warum Reinkarnation
für Tucken ist

Also, grundsätzlich ist diese Sache mit der Religion ja ganz erträglich. Jedem das Seine, also weiterhin viel Spaß dabei. Was ich aber ätzend finde, sind diese Zeugen-Jehova-mäßigen Überzeugungsversuche von manchen meiner Mitmenschen, wenn es um diese total duften neuen Religionstheorien geht (wobei mich ja mal interessiert, was an dem ganzen Kram so innovativ sein kann, wenn's gleichzeitig aus mystischer Vorzeit stammen soll).

Da sitzt du nixahnend mit ein paar Kumpels rum und diskutierst so wichtige Dinge wie "Hoffentlich wird die Fortsetzung von Matrix was Gescheites". Plötzlich blubbert das Mädel neben dir los und erzählt dir, dass sie im letzten Leben eine Mätresse Ludwigs XIV. war. Oder als Hexe verbrannt wurde. Oder zu Attilas Heerscharen gehört hat. Oder... (Komischerweise waren solche Leute nie in einem früheren Leben einfach nur irgendein armes Bauernschwein im 13. Jahrhundert, das schon als Kind den ganzen Tag schwer ackern musste und mit 20 an der Pest starb). Anschließend hörst du dir einen nicht minder öden Vortrag über die Auswirkungen deines heutigen Handelns auf deine späteren Leben an. Spätestens jetzt ergreift der normaldenkende Mensch die Flucht. Du stürmst also möglichst weit weg von der Labertasche und suchst dir was Hochprozentiges, und während du dir schon die Pulle Schluck zu angeln versuchst, schimpft dir diese erleuchtete Seele noch schnell hinterher, dass du gerade total unhöflich warst und dass das echt schlechtes Karma gibt.

Alles in allem nix, was mich für das Thema Wiedergeburt begeistert, muss ich sagen. Aber wenn man dann mal den ersten Schock überwunden hat, kommen einem doch ein paar ganz komische Ideen. Was, wenn ich diesen ganzen Scheiss echt immer und immer wieder mitmachen muss?

Tut es wirklich Not, dass ich noch mal im zarten Kindesalter erzählt bekomme, wo die Babys herkommen und dass meine eigenen Eltern miteinander Sex haben? (Hey, für mich war das damals echt ein Schock!) Wie oft soll ich bitteschön mein grottenschlechtes erstes Mal mitmachen (und muss ich wirklich jedesmal dabei sein oder darf ich dann ruhig mal das aktuelle Martyrium verlassen und statt dessen noch mal die heisse Nummer mit dem schmucken Bengel aus Leben Nr. 42 erleben)? Wie oft muss ich noch das allererste Besäufnis mit anschließendem Seele-aus-dem-Leib-Kotzen und "Ich tu's nie, nie wieder!"-Schwören hinter mich bringen? Wie oft verliebe ich mich noch in den letzten Idioten, verlasse mich auf die verkehrten Leute, gucke mir wider besseren Wissens die Fortsetzung von "Highlander" an (Mann, Leute, es DARF nur einen geben...), renne falschen Freunden ins offene Messer, sehe geliebten Menschen beim Sterben zu, treffe irrwitzige Entscheidungen, nur weil sie gerade in genau dem Moment so verdammt richtig erscheinen...

Und das alles, ohne es beim nächsten Leben besser zu wissen? Nein, danke!

 

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