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09.04.2006

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Insomnia

Es ist einer dieser Tage, die man ganz schnell hinter sich bringen will, was dazu führt, dass er irgendwie extralang zu sein scheint. Ich bin völlig gerädert, und nachdem ich mehrere Telefonate ziemlich brastig abgewickelt habe und ein, zwei Akten mit Schmackes auf den Tisch geknallt habe, guckt mich die Azubine immer wieder ein wenig eingeschüchtert an. Ich bin sicher, sie wartet auf den Schaum vorm Mund.

Es scheinen alle, aber auch wirklich alle heute einen Knall zu haben, nix klappt, und ich könnte die Wände hochgehen. Nachdem ich endlich den Feierabend erreicht habe, brause ich dann auch entsprechend rücksichtslos fahrend nach Hause, rolle mich auf meinem Sofa ein und knuddel mein Schmusekissen. Endlich Ruhe!

Nee, war klar, kaum habe ich die Augen zu, bimmelt das Telefon. Ich ringe mich dazu durch, dranzugehen. Meine Schwägerin fragt, ob ich sie morgen wieder mit dem Wagen mitnehme. Ja, von mir aus. Lass mich in Ruhe, ich will pennen!

Ich rolle mich auf die andere Seite und mache wieder die Schotten dicht. Keine zehn Minuten später klingelt es. Ich überhöre das mal schlankweg und drücke das Kissen etwas näher an meinen Bauch. Geh weg! Will keinen sehen, will schlafen!

Es klingelt nochmal. Ein, zwei Minuten Stille, dann höre ich plötzlich ein anderes Geräusch: jemand klopft an die Terrassentür. Mit ziemlich feindseligem Gesichtsausdruck öffne ich Selbige und frage das Nachbarkind, das da erwartungsvoll steht, ob es irgendwelche schwerwiegenden Probleme hat. “Ich wollte für die Meerschweinchen ein bisschen Löwenzahn bei Euch pflücken. Darf ich das?” Klar, nimm mit, den ganzen Scheiß. Weck mich nie wieder wegen so was! Tschüss.

Nach zehn Minuten der trügerischen Stille wieder das Telefon. Ich gehe überaus genervt dran, aber was will man machen? Wenn ich’s schellen lasse, kann ich schließlich auch nicht schlafen. Ein Freund ist dran, das Gespräch erweist sich als interessant, und wir quatschen uns erstmal für 30 min. fest. Dann mein Hinweis: Hör mal, ich bin völlig erledigt, lass uns morgen weiterlabern, okay?!

Nachdem dann mein pensionierter Nachbar beschlossen hat, dass es nachmittags um 17.30 Uhr höchste Zeit ist, seine Hecke mal wieder mit einem Höllenlärm zu schneiden, lasse ich mir resigniert Badewasser einlaufen.

Ich bin nervlich völlig am Ende, fühle mich, als hätte ich eine Woche nicht geschlafen und möchte gerne irgendwem an die Gurgel springen, um mich abzureagieren. In der Wanne liegend finde ich etwas Entspannung, und nachdem ich dreimal heißes Wasser nachlaufen lassen habe und dann doch beschließe, dass eineinhalb Stunden Badezeit langsam leicht übertrieben sind, kletter ich aus dem Wasser, trockne mich ab und trolle mich in mein Bett.

Es ist himmlisch ruhig, das Bett ist frisch bezogen und duftet nach Lavendelweichspüler, meine Augenlider sind schwer wie Blei und ich kuschel mich in die Decke.

Und dann liege ich da. Ich liege auf dem Bauch, auf der Seite, auf dem Rücken, auf der Seite, auf dem Bauch. Ich hypnotisiere meinen Radiowecker. Ich rolle mein Kissen auf, zuppel es wieder auseinander, werfe es komplett zur Seite, ziehe es wieder an Land. Irgendwann gestehe ich mir ein, dass ich trotz aller Müdigkeit nicht schlafen kann. Also stehe ich wieder auf (es ist gerade mal 21 Uhr nochwas), stiefel ins Bad rüber und nehme zwei Baldriankapseln. Zurück ins Bett, einmummeln, Augen schließen, auf den Schlaf warten. Aufstehen, runtergehen, halbe Stunde in die Glotze starren, hochgehen, hinlegen, Augen zu, warten. Nichts. Nochmal Baldrian, ist ja eh nur ein bisschen Pflanzenpulver drin, und offensichtlich wirkt das Zeug kein‘ Meter. Hinlegen, warten. Aufstehen, warme Milch mit Honig in der Mikrowelle hypnotisieren, trinken, dabei Zunge verbrennen, hinlegen, warten.

Aus lauter Langeweile überprüfe ich mal kurz im Schein der Nachttischlampe, ob mir zufällig schon ein Fell wächst. Vielleicht leide ich ja einfach an Lykantrophie, es ist Vollmond und ich bin nur dabei, mich in einen Werwolf zu verwandeln. Könnte doch sein?!

Irgendwann gegen drei Uhr nachts sehe ich das letzte Mal zur Uhr, bevor ich endlich einschlafe. Drei Stunden später jabbelt der Wecker los auf Teufel komm raus, so dass ich senkrecht im Bette stehe.

Na denn, ab ins Büro! Das kann ja nur schief gehen, denn jetzt – endlich! – schlägt der doofe Baldrian an. Mann, wird wohl wieder einer dieser Tage...

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