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Hui, was ist das immer spannend:
Da betrittst Du morgens nixahnend das Büro und wirst sofort mit irgendeiner Knüllernachricht bombardiert:
“Hast Du schon gehört? Die Azubine hat sich verlobt!!! Ist das nicht ein Hammer?”
Jepp, super, mein Tag ist gerettet. Auch wenn das Ganze in diesem Falle mal tatsächlich stimmte: diese supertollen Knallermeldungen sind immer mit
Vorsicht zu genießen: man weiss nie, was dahinter steckt.
Mag sein, dass ich da Spielverderber bin, aber ich kann für den richtig dreckigen Klatsch nicht so wirklich Begeisterung aufkommen lassen: Ich war
selbst oft genug Thema Numero Uno im allgemeinen Dorf- und Schultratsch.
Mal ganz abgesehen von solchen Schoten, wie der, als die Nachbarin meinte, meinen Daddy fragen zu müssen, wie viele Kerle ich denn eigentlich
gleichzeitig habe (Ich war zu der Zeit süße 15 und sowas von jungfräulich, bloß halt aktive Rollenspielerin mit einer reinen Jungenclique... Naja, Homer hat geschickt reagiert und nur knallhart gesagt “Och, die
zähle ich gar nicht mehr!” – Alle Daumen hoch für meinen Papa!). Sowas ist ja eher lustig.
Aber die Nummer, als es hieß, ich sei schwanger und hätte die Schule nach der 9. Klasse abgebrochen, um Bäckerin zu werden, die war in der
Verwandtschaft schon schwieriger zu erklären (Schwanger war ich von da ab irgendwie ständig, aber ich habe ja auch regelmäßig abgetrieben, insofern war das nur halb so wild – viel interessanter waren da schon die
jeweils gleich mitgelieferten Väter: hat man mir einen beschissenen Geschmack zugetraut...).
Okay, in der Schule war ich auch dauernd von irgendwem schwanger. Das war aber lange nicht mehr spektakulär, das waren ja irgendwie alle. Also
wurde ich mal flux zur Satanistin (Hui, ja, diese bösen, bösen Judas Priest - T-Shirts ließen ja auch kaum noch Raum für Gegenargumente!). Danach war ich dann überzeugte Wicca-Anhängerin, also zu gutdeutsch: ‘ne
Hexe. Hey, “Hexe” war deshalb sogar einer meiner Spitznamen! (Ja, meine Jungs wussten immer einen guten Scherz zu machen. Dafür gab’s auch oft genug Haue, hehe... ;-) )
Apropos Haue: Weil ich immer gerne allen und jedem ordentlich gegen die Schienbeine bzw. gekonnt in den Arsch getreten habe, die frech wurden, war
ich dann auch ruckzuck in der Sado-Maso-Szene zu Hause (Die Geschichte, dass Schulkollege Matthias Toeberg mir auf den Arsch gehauen hat, ich ihm dafür in seinen treten wollte, er seine Hand dazwischen gehalten hat
und der Daumen anschließend gebrochen war, ist allerdings absolut wahr!).
Na, irgendwann war ich dann mit einem Kerl zusammen. Jetzt ging’s richtig rund! Ein gewisser Ossi (den gibt’s glaub‘ ich heute noch in jeder
Schulklasse, was?!) meinte, es sei eine tolle Idee, sich vor’m Sportunterricht in die Umkleidekabine der Jungs zu stellen und zu verkünden, ich stünde auf Analverkehr. Begründet wurde diese These damit, dass mein
Freund in den Pausen gerne hinter mir stand und mir die Arme um den Bauch schlang. Das war in der 10. Klasse; drauf angesprochen, wie toll das doch ist, dass ich so zu meinen Vorlieben stehe, wurde ich noch kurz
vor’m Abi. (“Kannst Du mir da mal Tips geben, wie das am Besten geht?” – “Woher zum Teufel soll ich das wissen??? Ich hab‘ das noch nie ausprobiert!” – Watt’n Spaß!)
Als dieser Wirbel sich bis zur Klassenfahrt nach Rom schon halbwegs gesetzt hatte und meine Freundin Alex und ich dort das einzige Zweibettzimmer
zugeteilt bekommen haben, waren wir dann selbstredend lesbisch. Na, Alex hatte ja schon immer Geschmack.
Was soll ich sagen? Man ärgert sich halt doch ein bisschen über sowas, und entsprechend fröhlich fielen meine Grüße an den Jahrgang in unserer
Abizeitung aus:
“Ich grüße alle sado-masochistischen, analfixierten, satanistischen, schwangeren Lesben. War toll mit Euch! Steffie”
Aber sowas ist ja mit der Schulzeit nicht vorbei! Wozu gibt es schließlich noch den herrlichen Dorftratsch? Und glaub man ja nicht, wenn Du vom
einen Dorf ins andere umziehst, wärst Du sicher!
Wenn die eigene Schwiegermutter stinkewütend ist, weil sie angeblich als Letzte erfährt, dass sie Oma wird (Stimmt ja gar nicht! Als Letzte habe
ICH das erfahren!), wenn man mir in der Dorfkneipe kein zweites Weizenbier mehr geben will, weil es unverantwortlich ist, als werdende Mutter zu trinken, na, dann werden die Erinnerungen an mein Heimatdörfchen
wieder wach: der Scheiss klappt noch in jedem Kaff hervorragend.
Der absolute Klopfer ist aber erst diesen Sommer gekommen, und da war ich wirklich das erste Mal im Leben wegen dieser dummen Labereien
stinkwütend und bereit, zu töten:
Nachdem ich mich schweren Herzens, aber aus wie alle Welt mir ständig versicherte absolut vernünftigen Gründen von meinen heissgeliebten Hunden trennen musste, hat man meinen Mann doch tatsächlich angesprochen, ob es stimmen würde, dass die beiden vom Tierschutz abgeholt wurden...
Na, und was ist im Büro? Was wohl: Egal, mit welchem Kollegen unter 40 Du gesichtet wirst, egal, ob Ihr nur am Kopierer ansteht oder zusammen in
die Mittagspause marschiert, Du hast sie alle gehabt! Mann, wen ich schon alles quer über den Schreibtisch geworfen haben müsste! Ich muss ein verdammt heisser Feger sein, wenn sich die Kerle so um mich reissen,was?!
Na, immernoch besser, als wenn man über mich das Gleiche erzählen würde wie über meinen einen Kollegen: den hat man angeblich schon mit ‘nem
Hundehalsband um den Hals in der Stadt gesehen - und er ist erst kürzlich über seine Drogensucht hinweggekommen. Bestimmt hat der Heroin geraucht, Extasy geschnupft und Haschisch gespritzt - oder so ähnlich.
Ach, Gerüchte machen ja solchen Spaß...
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