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Die Arbeit steht mir bis Oberkante Unterlippe, mein Magen hängt in den Kniekehlen, meine Laune nähert sich dem Nullpunkt: wird langsam, aber
sicher Zeit für die Mittagspause. Da, die rettende Idee meiner Kollegin: “Hey, Steffie, lass uns doch zusammen was Essen gehen!”
Spitzenplan, also nix wie los! In einer halben Stunde ist endlich Mittag, und ich freue mich schon richtig auf was Leckeres vom Chinamann. “Sollen
wir X und Y auch noch mitnehmen?” – “Klar, von mir aus, wenn die Lust haben, warum nicht?!” So wird innerhalb einer halben Stunde aus der lustigen Zweierrunde ein bunter Hühnerhaufen von insgesamt sechs Weibern, die
sich allesamt vor dem Haupteingang treffen und Richtung Fresstempel loslatschen. Bis zu diesem Punkt ist das Ganze echt superwitzig, weil die Weiber alle echt nett sind und ich lange nicht so viel dummes Zeug
geschnattert habe. Beim Chinesen angekommen, schlägt das Schicksal aber erbarmungslos zu: ich erkenne plötzlich, ich kann einfach keine normale Frau sein! Unmöglich! Schließlich können nicht fünf Mädels gleichzeitig
die gewohnten Bahnen verlassen, also muss es wohl an mir liegen, wenn ich merke, dass ich mitten in diesem Streifen, der sich auf einmal abspielt, plötzlich das Drehbuch links liegen lasse und echt keine Ahnung
habe, ob irgendwann noch Platz für meinen Text sein wird, oder ob ich lieber auf Statist umsatteln soll. Aber mal vom Anfang an erzählt:
Während die anderen kurz in die Karte gucken und dann quasi mehrheitlich abstimmen, was sie essen möchten, suche ich mir selbständig und ganz
allein, ohne ein einziges Mal “Was nimmst Du denn?” zu fragen, mein Gericht aus. Dann, als der Kellner nach unseren Wünschen fragt, gebe ich auch noch freiwillig als Erste meine Bestellung auf! Die anderen bestellen
nacheinander alle das gleiche Essen – Ente mit irgendwas und Gemüse. Bis das Essen kommt, wird dann munter gequatscht.
Ich punkte ganz kurz, indem ich auf die total lächerlich aussehende Frisur einer draussen vorbeigehenden Frau deute und erkläre, ich hätte Peggy
Bundy entdeckt. Dann werden mir aber sofort wieder die Zügel aus der Hand genommen, indem meine Begleiterinnen sich gegenseitig erzählen, wann sie das letzte Mal beim Frisör waren (meine Haare schneidet meine Mama),
welche Farbe die Grundfärbung und welche die Strähnchen haben (ich bin naturblond), wie lange es morgens dauert, um die Frisur halbwegs so hinzubekommen wie die Frisörin (ich kämme einmal ordentlich durch die
naturkrause Mähne und beschließe, dass es eh keinen Zweck hat) und wie schlecht man sich fühlt, wenn die Haare mal nicht gescheit liegen (ich sehe grundsätzlich auf dem Kopf aus wie ein Bär um die Eier, und ich habe
mich immer noch nicht umgebracht deswegen). Dann eine kurze Kampfabstimmung: Welche Haarfarbe denn wohl die Augen von X am Besten zur Geltung bringen würde? Über so was habe ich mir noch nie Gedanken gemacht! Mir
bleibt nix übrig, als fasziniert und ein bisschen beängstigt zu lauschen.
Irgendwann kommt dann unser Essen. Wir einigen uns, dass das alles echt total lecker aussieht. Ich erörtere auf Wunsch einer einsamen Dame noch
mal kurz, warum ich kein Fleisch esse. Nein, auch kein Geflügel. Nein, Enten haben auch ein Gesicht. Ja, mir schmecken meine gebratenen Nudeln mit Gemüse. Nein, ich mag auch keinen Fisch mehr. Nein, mir schmeckt das
echt nicht.
Hier muss ich mal anmerken, dass ich die Mädels alle echt gut leiden mag, aber diese geballte Ladung ist echt etwas viel für mich. Ich
konzentriere mich deshalb nach dem Abhaken des “Wie, Du bist Vegetarier?!” - Themas darauf, den Nahrungsbestand auf meinem Teller in den Inhalt meines Magens umzuwandeln. Beim genüsslichen Kauen stelle ich dann
fest, dass die anderen Weiber alle Unmengen von Reis, aber kaum etwas von ihren Entenkleinteilen auf ihre Teller laden. Das allgemeine Gespräch dreht sich dabei um Themen, die ich sicherheitshalber sofort wieder
verdränge, weil mein Hirn diese für mich komischen Gedankengänge einfach nicht gewohnt ist und Alarm schlägt. Ich registriere, dass der kostenlose Reis noch mal nachgeordert wird, während die Erste schon der übrigen
Runde verkündet, dass sie ihre Ente nicht mehr schafft und total satt ist. Ihr Servierteller ist noch halbvoll. Meiner ist inzwischen ziemlich leer, und ich spiele mit dem Gedanken, das letzte Bisschen mit einem
löffelvoll Reis runterzukratzen.
Das Ende vom Lied ist, dass irgendwann alle anderen auch über einem halbvollen Teller Tier erklären, dass sie echt keinen Bissen mehr
runterbekommen, bis auf Y neben mir, die das alles nicht schocken kann, und die sich auch noch mal vom Teller von X nachnimmt. Ich fühle in diesem Moment ein zartes, schüchternes Band der Solidarität zwischen uns.
Letzten Endes kommt es so, wie es kommen muss: der Kellner schleppt so umfangreiche Reste weg, dass mindestens eine Ente noch länger hätte quaken
können. Dafür ist der Reis fast restlos vernichtet worden. Ich selbst bin ein wenig verwirrt, wie dieses Essen so abgelaufen ist. Zwei der Mädels kannte ich vorher nur vom Sehen, die anderen drei sind echt nett und
eigentlich ein Garant für einen witzigen Mittagstisch. Aber in einem dermaßen großen Rudel schalten anscheinend alle irgendwie auf Vollweibchen: Ich habe kaum einen meiner üblichen dummen Sprüche abgelassen. Ich
musste auch nicht ein einziges Mal befürchten, vor Lachen mein Essen quer über den Tisch zu spucken. Es wurde nicht ein einziges Mal erzählt, was die eigenen Kerle wieder Dummes angestellt haben.
Dafür bin ich immerhin im Bilde, wieviel man bei Ebay für einen Bauchweg-Trainer hinlegt. Das ist doch mal was.
Ihr Lieben, nehmt’s mir nicht übel, aber in Zukunft gehe ich wieder höchstens in ’ner Dreiergruppe essen. Oder mit Jungs.
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