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“Alles klar, wir brauchen noch Vorräte für die Filmnacht!”
Dieser folgenschwere Satz löst eine Kette von Ereignissen aus, die damit endet, dass Lütschi und ich mal wieder Richtung Dixi durchstarten.
Während im Auto pflichtmäßig das
“Aldihalle - Hühnerhalle”-Lied von In Extremo mitgegröhlt wird (“Steffie, das singen die nie im Leben, wer weiss, was das wirklich heisst!" – “Spalter! Dat heisst Aldihalle, und damit is‘ gut!”), wird noch mal kurz überlegt, was alles benötigt wird:
Ich: “Chips!” - Lütschi: “Die Scharfen?” - “‘türlich, sind wir hier im Kasperletheater oder was?!” - “Flips?” - “Jau, aber dann auch gleich noch’n
Pott Nutella dazu.” -
“Du isst auch kleine Kinder, oder?!” - “Kasten Kromi Elf dazu?” - “So komme ich nie auf meine 1.000 m² Regenwald!” - “Ganze Kiste?” - “Aber wir machen nich‘ “Bier’n Euro”, da kann ich ja gleich ins Alpenmax gehen.”
Vor’m Dixi angekommen, wird der strategisch günstigste Parkplatz gesucht.
Lütschi: “Nimm doch den da vorne!” - Ich: “Mutter mit Kind? Da wüsste ich ja wohl von...” - Lütschi: (freudestrahlend die Arme zur Umarmung
ausbreitend) “MAMI!!!!” - Ich: “Alles klar, mit der Nummer kommen wir durch!”
Ein prüfender Blick Richtung Einkaufswagendepot, dann werfe ich in den Raum: “Brauchen wir so’n Gerät oder schaffst Du’s heute durch den Laden,
ohne das ich Dich schieben muss?” – “Hör’n se mal zu, junge Frau, ich bin verdammt fit, ist das klar?!” – “Huh, Mister Fabulous! Wie konnte ich nur?” – “Ist mir auch unerklärlich!”
Und dann wird der Supermarkt gestürmt.
Ich stapel mir als Erstes ein paar Fläschchen Desperados in den Arm, während Lütschi nach Met sucht. Das Kromi-Thema ist somit mal wieder vom
Tisch – soll halt irgendwer anders den Regenwald retten. Auf dem Weg zu den Knabbersachen liest Lütschi schonmal lauthals die Rezepttips für leckere Metbowlen vor, die am Flaschenhals seiner Pulle hängen: “Met mit
Sekt und Erdbeeren? Und hier: das Kultgetränk der alten Germanen jetzt auch auf Ihren Partys - Ist denen denn gar nix mehr heilig? Ich prangere das an!” – “Alles klar, lass uns hier gleich mal den Blutaar
opfern!”
Nachdem wir uns noch mit Peperonichips und ein paar Flips eingedeckt haben, überlegen wir, ob wir noch an die Tiefkühlung müssen. “Gucken kostet
ja nix!” – “Mann, wenn ich da erstmal vorstehe, kriege ich doch eh wieder Lust auf Pizza!” – “Besser jetzt als zu Hause!” – “Übergeredet...” Ich beuge mich also leicht zögerlich über eine Spinatpizza und gebe ein
fassungsloses “Guck mal, da ist das Haltbarkeitsdatum längst abgelaufen!” von mir, da deutet Lütschi spontan auf die hohlraumversiegelte Magersüchtige Ende 50 mit Sonnenbanklederhaut neben uns und sagt: “Genau das
habe ich auch grade gedacht!”
Spätestens jetzt ist uns die uneingeschränkte Aufmerksamkeit aller Angestellten des Ladens und auch einiger verwirrter Kunden sicher. Damit sich
das nicht so schnell ändert, wird notfalls noch ein lustiges Anekdötchen über die Qualitäten von Rasierschaum dazwischengeschoben. Lütschi: ”Mein Rasierschaum ist alle, da müssen wir noch Abhilfe schaffen.” – “Der
steht doch da vorne gleich irgendwo, oder?”- “Quasi hier jetzt!” – “Na dann such, Pfiffi!”- “Toll, “Gel”. Was heisst hier einfach so “Gel”? Was macht dieses Gel denn überhaupt, hä? Hmmm, obwohl, da steht, es ist
“ocean fresh”. Das hat mich jetzt doch irgendwie überzeugt...”
Auf dem Weg zur Kasse beginnt der eigentliche Spießrutenlauf: Wie kommt man mit Lütschi an den DVD‘s vorbei, ohne das der sein obligatorisches
“Fuck, und ich bin schon wieder pleite!” loslässt? Ich habe es jedenfalls auch diesmal nicht geschafft, ihn vom Abbiegen abzuhalten. “Die haben Zoolander immer noch nicht!” – “Prangern wir das an?” –“Logisch
prangern wir das an!” – “Okay... Wow, guck mal, die haben From Dusk Till Dawn runtergesetzt!” – “Es soll ja Leute geben, die haben sich die FSK 16-Fassung geholt...” – “Wenn Dir Dein Leben lieb ist, sprichst Du
jetzt kein Wort weiter, Lütschi!” – “Hehehehehe....” – “Mann, ich hab’s einfach übersehen, OKAY?!”
“Lass uns mal eben nachsehen, ob die neue Comics haben!” – “Mann, Lütschi, Du bist doch eh blank, und mir fällt gleich das Bier aus dem Arm!” –
“So’n bisschen Training tut Dir auch mal ganz gut!” –“Danke, Herzchen!” – “Bitte, Schatz!”
Und endlich, an der Eistruhe kurz vor der Kasse, tönt Lütschi noch los: “Ich nehme noch das hier: Brauner Bär, genau das, was ich jetzt brauche.
Steffie, warte mal, ich such‘ Dir noch’n Flutschfinger!”
Die Kassiererin blickt während des Eingebens unserer Waren nur verständnislos von einem zum anderen, während wir uns die ganze Zeit das Lachen
verkneifen müssen. Beim Rausgehen weise ich Lütschi noch lauthals darauf hin, dass der Bäcker im Eingangsbereich Sahneschnitten anbietet. “Wär das nix für Dich? Endlich mal wieder ‘ne Schnitte in die Finger
bekommen?!” –“Na, sahnig werden die ja quasi dann ganz von alleine! Meinst Du, dass man da viel dran zu poppen hat?” – “Kannst ja mal nachfragen! LÜTSCHI!!! Verdammt, das war’n Scherz!!!”
Heile wieder im Auto setzt er schließlich sein Ich-bin-so-klein-und-unschuldig-Gesicht auf und meint:
“Glaubst Du, dass wir hier je wieder rein dürfen?”
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