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23.10.2007

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Willkommen im Raubtierkäfig

Ich bin ein Hundemensch.

Durch und durch.

Ich drehe mich nach jedem Hund, der Miniponyformat hat, mit begeisterten Blicken um (mit verzickten Trethupen samt anerzogenem „Ich bin ein bellendes Spielzeug“-Komplex kann ich nichts anfangen…) und widerstehe nur selten der Versuchung, Passanten mit Hund zu fragen, ob ich den Wauz streicheln darf.

Im untrüglichen Bewusstsein, dass ich nur mit einem Fido als Haustier so richtig rundum glücklich wäre, sage ich eines schönen Tages meiner Tante zu, mit ihr zu einer Freundin zu fahren, um dort die zukünftige Katze ihres Herzens zu begutachten.

Und so stehen wir also vor der kleinen Wurfkiste, in der vier Wollknäuel liegen. Die ersten drei sehen ein wenig verklimpert zu uns auf, sind natürlich herzzerreissend putzig und schnuckelig und so süß, wie Babys jeglicher Art nun mal auch nur sein können. Eins davon wird gleich mit den Worten „Das wird meiner!“ von meiner Verwandschaft in beschlag genommen und beknuddelt.

Nummer vier aber sieht zu uns auf, ein wenig ängstlich, aber mit einem Blitzen im Auge, das eines Tigers würdig wäre, fährt seine winzigen Krallen aus, schlägt nach mir und faucht wie eine Furie.

Eine halbe Stunde später ist meine Hand nicht nur komplett zerkratzt, sondern auch angekaut und beschmust worden.

Eine Woche später hole ich meinen kleinen Kater zu mir nach Haus…

Okay. Ich liebe Hunde wirklich, aber...

Dieser kleine Charmeur, mein kleiner Kobold, der ist wirklich der absolute Wahnsinn! Mal abgesehen von der Kombination von kleinen blassblauen Babyäuglein mit viel zu lang wirkendem schwarzen Welpenfell hat mich der kleine Racker auch durch seine tollpatschigen Reviererkundungen, wilden Kämpfe mit meiner Socke und hingebungsvollem Schnurren beim Kuscheln an meiner Halsbeuge, während ich auf dem Sofa lieg und eigentlich ne DVD sehen will, völlig um den Finger gewickelt. Innerhalb kürzester Zeit ist nicht nur klar, dass ich durchaus auch ein Katzenmensch, sondern darüber hinaus auch hoffnungslos butterweich zu formen bin unter diesen kleinen Samtpfoten.

Von meinen Hunden damals einfach abgöttisch liebt, weil sie schlichtweg auch jemanden zum lieben brauchten, macht dieser Fellball mir schnell klar, dass er es eigentlich keinesfalls nötig hat, mich zu mögen, um mit seiner kleinen Welt klarzukommen. Dass er es aber doch tut, ist eine absolute Auszeichnung, eine Gunst, die mir gewährt und notfalls auch mal vorenthalten wird, wenn der Stubentiger grad nicht in Schmusestimmung ist. Und ich bin fasziniert und entzückt, beobachte meinen Minipanther bei jeder Bewegung, freue mich über jede Kuschelgruppeneinheit und rede mit dem Liliputtleu, als wäre er mein kleiner Casanova.

Als wenige Monate später der Hilferuf bei mir ankommt, dass ein weiterer Wurf Welpen ein Zuhause sucht, nehme ich mir eigentlich vor, dass Kobold allein recht gut klarkommt und ich auf jeden Fall ohne zweiten Mäusefänger weiterleben kann. Und schleppe kurze Zeit später seine kleine, ebenfalls pechschwarze Schwester Hexe in die Bude, die sowohl den Platzhirsch Kobold, der anfangs geradezu schockiert über den Familienzuwachs ist, als auch mich schnell überzeugt, dass wir ohne sie überhaupt nicht mehr sein können.

Tja, und so wird aus einer „Ich hätte so gerne wieder einen Hund“-Steffie die katzenkloschrubbende Kraulmaschine auf Knopfdruck, die notfalls den ganzen Abend über sämtliche Freunde im Teamspeak darüber auf dem Laufenden halten kann, was die beiden Raubtiere im Taschenformat mal wieder alles anstellen. Wer hätte das gedacht? Und was ich mich auch frage: nachdem mir dauernd Männer gesagt haben, ich sei wie eine Katze, entdecke ich grad vielleicht tatsächlich den Tiger in mir? Spiele ich deshalb grad wieder einen Druiden in WoW hoch?! Fragen über Fragen, aber vorerst keine Antworten, denn ich muss hier Schluss machen: man maunzt schon nach mir, es ist Fütterungszeit.^^

 

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