Letztes Update:
09.04.2006

Was ist neu?

Home
Warum nur?
Ich
Kranke Ansichten
Filmfieber
Anjas Ansichten
Fremdverschuldet
Guestbook
Links

Who is who?

Willst Du in die Update-Liste? Sonst irgendwas zu sagen? Na dann...

Mailde Dich!

Wer Tippfehler findet, darf sie behalten!

Impressum

Tool Time

Als ich im Jahr 2000 gebaut habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich nie, nie wieder eine Küche aussuchen muss, nie wieder ein Bad verfliesen werde, nie wieder Paneele bewusst wahrnehmen muss und nie wieder Gipskartonwände spachteln werde. Ich wollte nie wieder über Fußbödenbeläge nachdenken müssen, nie wieder über die richtige Position von Steckdosen in Küche, Bad oder Schlafzimmer sinnieren müssen oder insgesamt mit so einem Kram zu tun haben. Bautechnisch habe ich mein Leben als abgeschlossen betrachtet, und fand das auch völlig okay so. Selbst nach meinem Auszug aus dem Haus war ich froh, nur ne Mietwohnung zu beziehen und mit ein wenig Farbe alles Nötige getan zu haben dort. Es gibt weitaus spannendere Dinge im Leben als den Nestbau. Dachte ich.

Dann kam die Meldung meines Bruders, dass er mit seiner Freundin ein Haus ersteigern werde, und dass er mir die Einliegerwohnung dort anbieten wolle.

Man stelle sich vor: besagte Wohnung haben meine Eltern mit uns bewohnt, als ich noch ein kleiner Knirps war, und der Baum, auf dem ich fast täglich rumgeklettert bin, steht noch immer dort. Ich war sofort überzeugt, dass ich da rein will, egal, in welchem Zustand die Bude auch sein möge.

Und dann kam der Tag, an dem wir erstmals in diese Hütte gehen konnten. Unglaublich.

Seit Wochen lebe ich eine Art Doppelleben: Erst ca 9 bis 10 Stunden Büro, danach Einsatz in 4 Wänden, um zunächst erstmal überhaupt den Rohbauzustand wiederherzustellen. DANACH dann bescheidene Freizeitkapazitäten, die ich überwiegend dazu nutze, am Rechner irgendwelche Mobs zu kloppen und zeitgleich zu maulen, wie scheisse mein Tag war. Dass man MICH noch nicht niedergeprügelt hat im Spiel, rechne ich allen Beteiligten hoch an…

Aber was erlebt man nicht alles für nette Überraschungen! Nicht nur, dass man im Flur (also INNEN…) unter einer dicken Schicht AUSSENputz fünf Lagen Tapete findet, wobei die unterste von meiner Mum wiedererkannt wurde, denn die hatte sie vor 25 Jahren selber an die Wände geklebt. Nein, man hat auch sehr spaßige „Was ist denn das für’n Kabel?!“-Erlebnisse, holt aus einer 4m langen Wand über 100 Dübel raus und diverse Nägel, alles formschön von mehreren Schichten Tapete überklebt, weil es viel zu aufwändig gewesen wäre, die Nägel aus der Wand zu ziehen, statt sie einfach krumzuhauen.

Im Schlafzimmer stellten wir dann fest, dass es anscheinend totschick ist, dicke Holzbohlen, schwarz angestrichen, als eine Art Fachwerkimitat an die Wände zu klatschen, dazwischen Strukturputz aufzubringen und diesen dann erst weiss, danach blau zu streichen… Das Holz ging noch halbwegs runter, aber der Putz… wir haben letztlich einfach eine neue Schicht Rigips auf die Wände geklebt, da selbst mit dem Bandschleifer nichts zu wollen war.

Leute: WENN ich schon eine Wohnung fertig mache, dann richtig! Und ich dachte, dass das jeder andere auch so sieht, besonders, wenn ihm das Haus sogar gehört. Da lag ich aber anscheinend falsch, denn in diesem Gemäuer scheint keine einzige „Renovierung“ ansatzweise durchdacht gewesen zu sein…

Sehr wichtig: wenn man 3 Zimmer nebeneinander hat, muss man anscheinend unbedingt durch beide Zwischenwände Durchbrüche prügeln und mit rotem Klinker rahmen. Und nem dicken Balken als Sturz, den man in freundlichem schwarzbraun streicht. Und wenn diese Löcher in den Wänden dann nicht mehr gefallen, macht man die diletantisch wieder mit Gipskarton dicht, behält aber einen schönen roten Ziegelrahmen übrig. Mannomann. Einen der beiden Durchgänge habe ich mit nem Brecheisen und ein paar gezielten Tritten von der seltsamen Paneelverkleidung befreit, die man dort als Wandersatz reingezimmert hatte. Der bleibt auch jetzt offen. Aus dem anderen haben wir das verkleidende Mauerwerk herausgehauen, wobei mein Opa, der 50 Jahre als Maurer am Bau war, vermutlich die Tränen in den Augen hatte, ist doch so gut wie nichts waage- oder lotrecht gefertigt worden.

Im Bad kamen unter einer Schicht nicht nur hässlicher, sondern auch faulender Paneele (die waren anscheinend extrem billig zu bekommen, haben wir doch auch oben aus der Wohnung meines Bruders etliche Quadratmeter davon entsorgen können) die alten Fliesen zum Vorschein, die meine Eltern damals schon kannten. Dazu Tapeten, auf denen noch die Lebensdaten des Familienhundes der Vorbesitzer notiert waren. Oh, well. Immernoch besser als die Schriftzüge, die die Vorbesitzer als „Don Perverso“ und „Jenny, die Obergeile“ bezeichnen und im Wohnzimmer oben an einer Wand wiederentdeckt wurden.

Immerhin: ich bin 6 Jahre nach dem letzten Bau noch halbwegs brauchbar, was Handarbeitstätigkeiten angeht, einzig mein chronisch entzündeter Ellenbogen macht Zicken. Gleichzeitig stelle ich fest, meine Mädels sind ein Gedicht, werden doch wie selbstverständlich auch von Anja und Bob immer wieder die Arbeitsklamotten angerakt und drauflosgeackert.

Und: Wenn der Hausherr beim Bund ist, lernt man ne Menge junger Männer kennen am Bau. Okay, da muss man vorsichtig sein: als ich nach Feierabend zum Haus kam und durchs Fenster sah, dass da jemand besagten Bandschleifer schwingt, kam meine Ansage, dass ich zwar nicht wisse, wer der Kerl in meinem Schlafzimmer sei, er sich aber schon mal freimachen solle, wohl etwas seltsam an…

Bemerkenswert find ich Folgendes: egal, wie viel Gipsstaub ich in der Lunge hab, ich kann immer noch extrem laut zum Radio mitgröhlen, und wenn man den ganzen Scheiss aus den Haaren bürstet, hat man ne Mähne wie ein Pferd. Immerhin.

Wenn dann irgendwann die Bartheke steht, die Hängematte wieder hängt (endlich!), Bunnies, Whiskyflaschen und Rechner Einzug gehalten haben und die Flugzeuglampe an der Decke hängt, werd ich vermutlich wieder sagen, dass das die letzte Wohnung war, die ich je fertig machen musste. Und insgeheim hoffen, dass dem nicht so ist, denn irgendwann könnte ja doch noch der Haushalt vergrößert werden…

 

Zurück
 

 

[Home] [Warum nur?] [Ich] [Kranke Ansichten] [Filmfieber] [Anjas Ansichten] [Fremdverschuldet] [Guestbook] [Links]