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09.04.2006

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Teatime

Also, als ich noch kleiner war, gab es morgens vor der Schule von Mama immer nen großen Pott Pfefferminztee. Jahrelang. Jeden Tag. Das war ne richtig feine Sache.

Tee trink ich auch heute noch gerne, und zwar literweise. Blöd nur, dass man heutzutage schon fast in Schwierigkeiten geraten kann, wenn man einfach nur „normalen“ Tee kaufen will. Im Büro ist jedenfalls mittlerweile eine wahre Schlacht um die kreativsten Teesorten ausgebrochen.

Es ging los, als eine Kollegin „Hol Dir Kraft“ anschleppte, eine Kräuterteemischung, die einem… nun ja, Kraft geben sollte. Kurz darauf wurde gnadenlos mit „Momente der Erfrischung“ gekontert. Für gegen Stress und mehr Nervenstärke kam ich dann mit „Momente der Gelassenheit“ um die Ecke. Wieso dann jemand meinte, auf der Arbeit „Träum schön!“ anschleppen zu müssen, verschließt sich mir noch ein wenig. Aber es war so. Vermutlich ging es wirklich nur darum, die Gelassenheit zu toppen.

Nicht lang, da folgte „Bleib gesund“, was ich noch ne nette Idee fand. Dann kam „Einfach schön“ hinzu, eine Mischung, bei der kein Mensch mehr wirklich nachvollziehen konnte, was eigentlich drin ist, aber es war zumindest irgendwas Entschlackendes. Nun gut. Das war der Moment, wo ich über meinen eigenen „Apfel-Ginkgo“ schon schwer ins Grübeln geriet, denn erstens entsprach der gar nicht mehr dem allgemeinen Trend, weil nicht exotisch genug, zweitens schmeckte der sonderbar. Was wohl auch auf den Aloe Vera-Tee zutreffen dürfte, der ewig brauchte, bis er verbrüht war. Aber immerhin war der namentlich sehr alternativ drauf. Nütze ihm aber nix, zog doch plötzlich eine Blechdose voller geheimnisvoller Schriftzeichen mit dem klangvollem Schriftzug „Anding Yunwu“ in die Küche ein, der gnädigerweise die Übersetzung gleich mit lieferte und sich als Wolken- und Nebeltee zu erkennen gab, tatsächlich aber nix anderes als nen grüner Tee war. Wow. DAS war nen harter Schlag, dem man auch mit einem losen Darjeeling-Schwarztee kaum Paroli bieten konnte.

Wir haben uns also umorientiert. Back to the Roots, ein Kräutertee namens „Harmonische Stunde“ brachte die alten Werte wieder zurück. Im Gegensatz zu Erdbeer-Rhabarber und Salbei-Honig, die beide recht unangetastet im Schrank vor sich hin schlummern, war der auch recht flott weggetrunken.

Passend zum neuen Telenovela-Boom machte sich für ein kurzes Intermezzo „Momente der Sehnsucht“, gepaart mit „Sweet Kisses“ und „Heisse Liebe“ im Küchenschrank breit. Glücklicherweise folgte ein unverfänglicher „Good Morning!“, bevor noch „Wilde Lust“ oder gar „Schnelle Nummer in der Besenkammer“ oder so was aufkamen.

Insgeheim habe ich mir vorgenommen, die anderen mal so richtig zu schocken: morgen bring ich einfach den guten alten Pfefferminztee mit. Mal gucken, wann die Erste Kräutertöpfchen auf die Fensterbank stellt, um erntefrische Zitronenmelisse aufzugießen.

 

 

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