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Pärchen werden ständig gefragt, wie sie sich eigentlich kennengelernt haben.
Bei uns wäre das ne ziemlich bescheuerte Geschichte: „Er ist im WoW auf unseren Server, in unsere Gilde gewechselt, und als er sich
dann im Teamspeak meldete, sagte ich „Ach, Du heisst Nils? Das kann ich mir merken, mein erster Ex hiess auch so!“, und er sagte „Äääääh, ja…“ Nicht gerade enkelkindertauglich, was?
Danach warst Du regelmäßig im Teamspeak, und immer wieder kamen wir miteinander ins Gespräch. Allerdings habe ich über Dich in dieser
Zeit nie wirklich nachgedacht, ich war ja mit Daniel zusammen.
Du hast mich albern und flachsend erlebt, angespannt in Raids, jubelnd bei Firstkills, mit den anderen und Dir rumschäkernd, begeistert
von meinem Freund erzählend, später dann verzweifelnd an ihm, weil die Beziehung kippte. Du hast mich zusammenbrechen hören, als ich abserviert wurde. Du hast mich zeternd, schimpfend, weinend und verzweifelnd
erlebt. Und um meine Fassung ringend in Raids, die ich mir eigentlich niemals hätte antun sollen, mit meinem frisch Verflossenen als Leiter, der jede Möglichkeit nutzte, nachzutreten.
Deine knappen, treffenden Bewertungen der Situation, Deine kleinen Whispers und einfache Emotes im Spiel haben mich auf die Füße
zurückgeholt.
In ein Gespräch, in dem die anderen einander vorbeten, welche supergeilen Rüstungsteile sie haben, was für tolle Waffen sie schon
abgestaubt haben, wie viele Heroicmarken sie schon gesammelt haben, wirfst du furztrocken ein „…und ich hab gestern erstmal Sissi geguckt. War gut.“(Ich dachte, ich sterbe vor Lachen… ).
Ich rechne Dir hoch an, dass Du Salamis im Gegensatz zu anderen nicht für einen Aufschnitt und die Thermopylen nicht für ein neues
Badeparadies hältst. Ich weiss noch genau, wie perplex ich war, als wir uns über den Film „300“ unterhielten und Du mir die kompletten geschichtlichen Hintergründe zur dargestellten Schlacht heruntergespult hast,
mit Ausführungen dazu, wie weit der Streifen von den historischen Hintergründen abweicht, und wie Du auf mein „Woher weißt Du das alles?!“ mit einem verschmitzten „Wikipedia!“ geantwortet hast.
Jedes Mal, wenn ich mir meine Lieblingsszene mit den zeitweisen Zeitlupensequenzen im Kampf ansehe, denke ich daran, wie ich die Szene
wieder und wieder laufen ließ und so lang für Dich die Kampfchoreographien analysiert und kommentiert hab, bis Du nur noch gemeint hast, „Verdammt, jetzt muss ich das auch noch mal angucken!“.
Ich bin fast gestorben deinetwegen, da beinahe an meinem Essen erstickt, als Du eines Abends mückenbedingt auf Großwildjagd gegangen
bist und dann irgendwann verkündet hast „Ha, ich hab sie mit der Sissi-DVD beworfen!“.
Irgendwann wurde mir klar, dass ich abends nur so ewig lang das Spiel gezockt hab, um noch mit Dir zu quatschen. Ich hatte keine
Ahnung, wie Du aussiehst, aber ich wusste genau, wie es klingt, wenn Du grinst. Jedes Mal, wenn Du Dein Mikro wieder zu dicht am Mund hattest und ich Deinen Atem im Ohr hatte, konnte ich mich nicht mehr richtig
konzentrieren, und ich kann gar nicht zählen, wie oft das für Milchmaus im Angesicht des Geisterheilers endete, hehe…
Wenn das Spiel nicht so läuft, wie Du es Dir vorstellst, kannst Du schimpfen wie ein Rohrspatz, und ich muss immernoch jedes Mal drüber
lachen, weil’s so hammergeil klingt. Gleichzeitig hast Du diese ruhige, aufgeräumte Art, bringst absolut trockene Sprüche, hast zu praktisch jedem Thema eine interessante, intelligente Aussage zu treffen. Wenn Du
wirklich wütend wirst, wirst Du einfach mucksmäuschenstill, statt rumzuwettern.
Du bist schüchtern und zurückhaltend gewesen bis zuletzt, aber auf Sörens platte Aussage am Rechner, „Der Nils steht ja eh auf Steffie,
das hat er gesagt!“ kam dann nach kurzer Stille im Teamspeak (während der ich nicht einmal geatmet hab, weil ich Angst vor der Antwort hatte) schließlich ein eisenhartes „Ja, stimmt. Und?!“ Ich weiss, wir waren
mitten im „Schattenlabyrinth“, aber ich hab keinen blassen Schimmer, ob wir die Instanz noch zu Ende gespielt haben. Dafür erinnere ich mich an jedes Wort, dass wir anschließend getippt haben…
Ein platonisches Zitat besagt, dass man einen Menschen in einer Stunde des Spielens besser kennenlernt als in einem Jahr Gespräch.
Ich glaube, dass der alte Knabe Recht hat. Du kennst mich in allen Gemütslagen, und Du nimmst mich in all diesen Gemütslagen an, wie
ich bin. Du schaltest mit mir von toternst auf absolut albern und wieder zurück. Du bist selbstsicher genug, mir in all meinen kessen Momenten mit Cry, Orci, Ripper und überhaupt allen anderen Jungs zu vertrauen,
und bist trotzdem nicht von Dir selbst eingenommen.
Du gibst, ohne zu fordern, in der untrüglichen Zuversicht, dass Du zurückbekommst. Du bietest Halt, ohne festzuketten, Nestwärme ohne
Fegefeuer, Leidenschaft ohne Gier, lockst meinen Spieltrieb hervor und reizt mich, ohne zu überreizen.
Du verstehst es wirklich, mir immer wieder aufs Neue den Kopf zu verdrehen…
Mach nur so weiter, Darling! ;)
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