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Es ist nasskalter Endoktober, Sonntagabend. Im Fernseher flimmert ein schnulziger Liebeskomödien-Romantik-Irgendwas-Streifen mit
niedlichen Weibsen, schicken Jungs, dämlichen Problemchen und vorprogrammiertem Happy End, den ich eigentlich nur sehe, damit ich ihn anschließend gebührend in der Luft zerreissen kann. Auf meinem Schoß windet sich
Fussel, das Nesthäkchen unter meinen drei Kaninchen, das aussieht wie ein explodiertes Daunenkissen, und wehrt sich eindringlich gegen meinen Plan, ihr die Krallen zu stutzen. Mit Kraulen, Gurren, Leckerchen Geben
überzeuge ich das dumme Ding, dass es gemütlich und schön ist, bei mir auf dem Schoß zu liegen, und dass sie dafür ruhig mal ein bissl Fußfesthalten hinnehmen kann: „Manchmal muss man auch mal Kompromisse eingehen,
weißt Du, Du altes Fellmonster. Und kau nicht auf meinem Ärmel rum…“
Soso, Kompromisse. Ach ja. Wer im Glashaus sitzt…
Ich meine: Leute! Herbst. Frühe Dunkelheit, rauschender Wind draussen, zwischendurch Nieselregen, drinnen die warme Kuscheldecke, Tee,
Kerzen… Es wären sogar noch ein paar richtig gute Filme im Angebot, die ich lange nicht mehr geguckt hab, und irgendwo fliegt noch ne Prinzenrolle in der Küche rum. Fehlt eigentlich nur wer zum Knuddeln, Wuddeln,
Liebhaben und spontan drüber Herfallen wie ne ausgehungerte Wilde.
Verdammt.
Dann hieße es aber auch wieder Sportsendungen ertragen, anderer Leute Sachen in der Bude hin- und herrümpeln, Kämpfe um die „Im Sitzen
pinkeln oder selber das Klo schrubben“-Frage (Wenn IRGENDETWAS bei mir strahlend sauber sein muss, dann mein Klo!!).
Du darfst mit ansehen, wie jemand mitten in deinem Wohnzimmer seine Zehenzwischenräume von Sockenflusen sauberfriemelt, oder einer von
beiden will was vom Chinesen holen, der andere von Mekkes, einer will rausgehen abends, der andere zu Hause hängen, und schlimmstenfalls darf ich mir clevere Tipps für die Haushaltsführung von einer
Schwiegermutter-in-Spe anhören (Himmel… Ausführungen über Schnellkochtöpfe und warum man ohne sie gar nicht überleben kann, bitte nie, nie wieder! Am Besten her mit ner Vollwaise…).
Andererseits schläft es sich viel besser ein mit ner zärtlichen Hand auf der Hüfte, nem guten, vertrauten Geruch in der Nase und warmem
Atem im Nacken (Gott, fehlt mir das…), macht zu zweit Duschen einfach mehr Spaß, ist Kochen erst dann so richtig lustig, wenn wer da ist, der trotz Verneinen dreimal fragt, ob er helfen kann (DANACH dann noch
fünfmal, wann man endlich fertig ist, und der einem DANN mit den Fingern im Topf rumpuhlt und sich dabei noch beschwert, dass das heiss ist), sind meine Platten erst dann richtig geil, wenn wer mault, dass ich sie
schon wieder höre (und dann noch so LAUT, tztztz…), und verdammt, ich würd gern mal wieder morgens, wenn ich total zerzaust und mit erst halb offenen Augen aus dem Bett krabbel und ins Bad taumel, hören, dass ich
süß aussehe, damit ich mich dann lauthals darüber beschweren kann, dass ich kein Stück Schokolade bin und ausserdem grad ja wohl total scheisse aussehe, während ich innerlich eigentlich ein verzücktes „Und ob!“
lächel.
Rückblickend ist es sogar lustig, wenn Du ne halbe Nacht nicht einschlafen konntest, weil der werte Herr neben Dir nen halben Regenwald
umsägt, und wenn Du dann endlich pennst, hält der Dir die Nase zu, bis Du wie ein Fisch nach Luft schnappend wach wirst, und liefert dann ein vorwurfvolles „Schatz, Du scharchst! Ich kann so nicht schlafen!“. (Na,
wie gesagt, RÜCKBLICKEND…)
Und es ist schön, wenn Du am Rechner hängst und tippst, und dann hält Dir wer kommentarlos und einfach mal so ne heisse Tasse Kakao
unter die Nase und verkrümelt sich wieder vor die Glotze.
Oder wenn Du halt zu zweit nen blöden Film guckst, ordentlich drüber ablästerst und dann letzten Endes den Schluss nicht mehr
mitbekommst, weil man plötzlich ne gute Idee für ne gemütlichere Abendgestaltung hatte und irgendwelche originellen Dinge auf dem Teppich austestet. Und sich
anschließend gegenseitig drei Tage lang vorhält, dass der jeweils andere an den zerschubberten Knien schuld ist.
Scheisse, mir fehlt langsam wirklich nen Mann.
Den könnte ich dann jetzt auch prima hinter dem blöden Karnickel herjagen, dass mir vom Schoß gesprungen und unterm Sofa verschwunden
ist. Altes Mistvieh.
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