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Es gibt ja nun mal solche Sonntage, und SOLCHE…
Dieser begann quasi mit einem Gartenmöbelkauf in der davorliegenden Woche. Mein Dad hatte den Auftrag, mich zum Fachgeschäft meines Vertrauens zu
fahren, in diesem Fall dasjenige mit dem Supersonderangebot für nen gediegenen Klapptisch mit 4 Stühlen für konkret voll wenig Geld, ey krass Du, ey.
Nach ausführlichem Gemaule, dass das ganze Gelumpe eh nicht in sein Auto passt (…und es passte sehr wohl!), warf mich die Erzeugerfraktion mitsamt
der neuen Errungenschaften im eigenen Gartenparadies ab und entschwand meinem Sichtfeld, um am darauffolgenden Tag, als ich alles dann doch irgendwie ausgepackt, eingeölt und aufgebaut bekommen hatte, spontan
vorbeizukommen und zu fragen, was denn nun mit seinem Einweihungskaffee sei.
Ebenso spontan vertagte ich diese tolle Idee dann auf besagten folgenschweren Sonntag unter Androhung von Torte und zusätzlicher Belustigung durch
Hinzurufen der lieben Verwandschaft aus der oberen Etage, also meinen werten Herrn Bruder, Thomas, nebst Freundin, Ina.
Bewaffnet mit Unmengen an Kaffeepads und einem ganz fantastischen Gebäck, dass sowohl ich als auch die Herren Coppenradt und Wiese guten Gewissens
als leckere kleine Schokotorte betrachteten, mein Bruder allerdings als etwas größer geratenen Muffin („Wie, das ist alles?“), wartete ich dann also auf die liebe Familie.
Als Erster schlug mein Vater auf und traf auf die Frage „Kaffee oder lieber was Kaltes?“ die richtungsweisende Entscheidung „Ist so schon warm
genug“. Also überschlug ich kurz alle Optionen und man einigte sich auf „Och, so’n Fläschchen Maibowle….“
Nun gut, da ich ja nun laut Thomas nur „3 Löffel Kuchen“ pro Person hatte (Man könnte auch großzügig auslegen und sagen, jeder von uns hatte ne
Vierteltorte, aber gut…), scheute ich mich nicht, ungefragt auch eine zweite und dritte Flasche Bowle in den Garten zu holen. Mein Dad hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den strategischen Rückzug angetreten, während
Ina und ich Decken herausgeschleppt und in die Sonne platziert hatten…
Du ahnst, wie es endete?!
Um es kurz zu machen: eine weitere Flasche Maibowle von Ina, dann eine spontan aufgetriebene Flasche Asti, und schon kam mein Bruder mit einer
Kühlbox, bestückt mit Gin, Gingerale und Eiswürfeln nach draussen gestapft. Die nun endlich hinzugezogene Sonnencreme konnten wir wohl noch ordnungsgemäß anwenden, die von allen Seiten beigesteuerten Knabbersachen
mussten aber bereits eine Vernichtung, die eine Raubtierfütterung zur Teepartie degradiert hätte, über sich ergehen lassen. Als der Gin ausging, gingen wir rein, um uns Nudeln mit Bolognesesoße sowie Bacardi mit
Cola einzuverleiben.
Was als Kaffeekränzchen um 15h begann, endete dann gegen 23h im spontanen Vollrausch. Ich weiss immer noch nicht genau, wann genau ich es
geschafft hab, meine Schlafsituation von „vollständig angezogen quer über dem Bett liegend, dabei eine halbleere Flasche Nachdurstverminderer im Arm haltend“ in „ordnungsgemäß entkleidet und zugedeckt“ zu
korrigieren, aber meine Katzen brauchten am nächsten Morgen doch einige Anläufe, um mir klarzumachen, dass es Zeit fürs Frühstück sei.
Festzuhalten bleibt: jo, wir sind ziemliche Spießer inzwischen, mit soliden Gartenmöbeln, wo man früher auf ner aufgekanteten Bierkiste gesessen
hätte, und Trinkvorlieben wie Gin-Gingerale, wo vor 10 Jahren auch Dosenbier oder der gute „Caracho Dolores“-Tetrapacktafelwein Marke Aldi völlig okay war. Und ich bin auch ein bisschen besorgt, ob wir diesen
komischen Trend fortsetzen und in 10 Jahren plötzlich mit nem gediegenen 150 Euro-Whisky im Glas in der Hollywoodschaukel aus Eukalyptusholz schwingend darüber sinnieren, ob es gut ist, wenn der Kaviar vom Cracker
auf die handgeklöppelten Wildseidendeckchen auf dem Svarowski-Glastisch tropft und dabei vor lauter Tuffigkeit fast umkommen. Aber solange wir dabei noch so viel Quatsch erzählen wie heute, so viel lachen, so offen
miteinander reden und so rundum zufrieden mit der Welt im Allgemeinen und dem Sonnenschein im besonderen sind wie an diesem Sonntagnachmittag, bin ich bereit, das Risiko einzugehen. Und sag noch mal „Prost!!!“ an
meine Vermieter. Auch nach einem Jahr bin ich superfroh, bei Euch eingezogen zu sein!
Nur sollten wir sowas demnächst lieber an Samstagen starten, und nicht, wenn Ihr morgens um 5h aufstehen müsst....
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