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09.04.2006

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Grins doch mal!

Na toll! Adventszeit, und ich muss dringend in den Supermarkt. Eigentlich der größte anzunehmende Unglücksfall. Trotzdem nehme ich es auf mich, denn die Kaninchen haben Hunger und ich Durst. Also starte ich direkt nach einer turbolenten Gruppenstunde mit 16 wildgewordenen Pfadfinderkiddies durch in einen geräumigen Konsumtempel meiner Wahl.

„Last Christmas“ schlägt mir bereits in der alle drei Sekunden durch umsichtige Miteinkäufer angetitschten und dadurch blockierenden Drehtür entgegen, durch die ich den Einkaufswagen zu schieben versuche. Ja, genau, DEN Einkaufswagen. Den mit dem obligatorischen defekten Rädchen und dem serienmäßig immer wieder von alleine runterklappenden Bierkistenbügel, der mir nach 5 Metern schon blaue Schienenbeine gesichert hat. Ich glaube, die gibt es serienmäßig nurnoch so.

Ich lasse mich nicht beirren, sage mir tapfer, dass es ein Leben nach „Wham“ gibt und begebe mich in die Schlacht. Also, eigentlich in den Mittelgang vom Real-Markt. Kommt einem Nahkampfgefecht aber recht nahe.

Die letzten Adventskalender (Ich knuddel an dieser Stelle im Geiste Ina ab, die mir dieses Jahr einen selbstgebastelten geschenkt hat) stehen strategisch mittig im Weg, damit man auch ja drüber stolpert und versehentlich vielleicht doch noch einen kauft. Ist schließlich erst der 02. Dezember. Ich steuer meinen nahezu manövrierunfähigen Wagen geschickt drumrum, um beinahe eine Mutter mit Kinderwagen von der Piste zu rammen. Glücklicherweise rettet die sich zwischen einige Paletten Playmobilkartons.

Halt mal! Playmobil?! Oooooooooh… Menno… Die Ritterburg, das Piratenschiff, die Arche Noah und irgendwelche Sets aus der Zoo-Reihe… Die fand ich mit 12 schon alle total geil! Ich brauch Kinder! Schnell! Jetzt! Sofort!!

Schweren Herzens stell ich den Karton mit den Wikingern, dem Katapult und dem riesigen Drachen wieder zur Seite (seit wann haben die denn SOWAS im Sortiment?! Ich bin begeistert), statt ihn einfach in den Wagen zu packen, und sinniere kurz über künstliche Befruchtungen. Dann entschließe ich mich, doch lieber einfach ne Pulle Amaretto und 3 Liter Glühwein zu kaufen und demnächst mal wieder bei Vinnie rumzugucken. Der ist süße 5 und hat nen Piratenschiff UND die Schatzinsel, und ist allein deshalb schon ein anbetungswürdiger Spielkamerad.

Kurze Suche in der Spirituosenabteilung, dann weiter zum Tierfutter. Die Vögel kriegen nen paar Knabberstangen eingepackt, und dann stehe ich auch schon wieder vor einem dieser typischen Einkaufsprobleme: Direkt vor dem Regal mit dem Karnickelfutter steht so’n monströses Transportutensil mit Unmengen von noch eingeschweissten Waren, die nicht mal ansatzweise so aussehen, als würden sie in diesen Gang gehören, es sei denn, man füttert irgendwelches Getier neuerdings mit Klosteinen und Domestos. Auf Zehenspitzen stehend fuchtel ich über den Packen hinweg nach dem Regal mit dem Futter. Irgendwann erwisch ich eine Packung der teuersten Marke, bin aber bereit, den halben Euro mehr zu zahlen, um weitere Kämpfe zu vermeiden. Beim wieder-eine-normale-Körperhaltung-einnehmen schieb ich mir noch unfreiwillig den Pulli bis kurz unter den Busen an dem Packwagen hoch.

Ein junger Mann, der gar nicht mal so übel aussieht, scheint das recht interessant zu begucken zu finden und starrt mal pauschal weiter auf meine beiden Freunde, selbst als die schon längst wieder ordnungsgemäß verpackt sind. Ich gucke mal einfach zurück. Er merkt das dann nach ner geschlagenen Minute auch mal, läuft rot an, grinst kurz verlegen und verschwindet in Richtung Spülmittel. Naja, guck ruhig, ich bin halt nen heisses Gerät! (Hey, wenn man neue Unterwäsche trägt, die so gut wie nicht vorhanden ist, hat man tatsächlich ein Mordsselbstbewusstsein! Ich meine, hallo?! ICH habe wenigstens ordentliche Brüste, hehe...)

Beutezug durch die Cerealienabteilung auf der Suche nach Smacks. Man sollte meinen, die seien einfach zu finden, aber da es inzwischen ungefähr 128.000 Sorten Frühstücksflocken allein von Kellogg’s zu geben scheint, gestaltet sich das gar nicht mal so leicht. Dafür fahr ich aber einer älteren Dame mit einem Arm voll Müslipaketen in die Hacken, was mir ehrlich leid tut. Sie pisst es total an, und ich ducke mich unwillkürlich, weil ich schon fast damit rechne, mit Köll’n Flocken beworfen zu werden. „Äh… ‚tschuldigung!“

Als ich mich mit ner Dose Gemüseravioli bewaffne, fällt mein Blick erneut auf Mister Spülmittel. Er tut betont gelassen und zufällig. Ich zwinker mal einfach fröhlichst rüber, und auch diesmal muss er leicht hilflos grinsen. Ich steuer derweil Richtung Obst, denn da ist grad ne kleine Lücke im Gedränge zu sehen.

Als ich nach Möhren suche, steht der Grinser grad bei den Tomaten und sortiert ein paar davon in einen Beutel. Als er merkt, dass ich ihn angucke, nickt er Richtung Möhrenpaket in meiner Hand und zieht vielsagend die Augenbrauen hoch. Naja, Du Doof, die sind zwar schon alle recht großformatig, aber man kann die auch einfach essen. Oder halt an Hasen verfüttern. Ich find’s ein bisschen frech, so zweideutige Anspielungen rüberzufunken.

Ich lache kurz, und gebe mich dann beschäftigt. Aber hey, ein bissl rumflirten macht nun mal doch Spaß! Also suche ich in aller Ruhe noch zwischen den Bananen rum, um dann wieder zum Gemüse zu wechseln und eine riesige Salatgurke hochzuhalten, die ich mit einem triumphierenden Grinsen Richtung Spülimann schwenke. Diesmal lacht er.

Und wird von einem süßen kleinen Dreikäsehoch mit „Papa, Mama hat alles, wir wollen an die Kasse!“ angesprochen. Puterroter Farbwechsel. So ein Gauner! Ich schicke ein grinsendes „Tztztz“ rüber. Kurz vor der Kasse scanne ich den Wagen ab, ob ich auch nix vergessen hab, und stelle mit Entsetzen fest, auf der Amarettoflasche steht „alkoholfrei“. Wie konnte das denn passieren?! Geiselaustausch, ich besorg mir den echten Stoff. Auf dem Weg zurück zur Kasse komme ich an dem Spülipapi vorbei, der mit seinem Sohnemann und der passenden Mama, die einnehmend hübsch aussieht, an einer anderen Schlange ansteht. Ich ziehe in Mamas Richtung nickend anerkennend die Brauen hoch, er wiederholt die Geste in meine Richtung, ich parke grinsend am Ende einer halbwegs überschaubaren Schlange ein und hab den Rest des Tages gute Laune.

Eigentlich sollte ich es scheisse finden, wenn ein Familienpapa mit fremden Mädels im Supermarkt rumflirtet, und das auch noch kurz vor Weihnachten. Aber eigentlich hab ich auch immer ne Scheisslaune, wenn ich im Geschenkestress anderer Leute durch einen Laden taumel. Das blieb mir heute erspart.

Auf dem Weg zum Auto überleg ich, ob mir nicht irgendwas einfällt, was ich vergessen hab. Denn dann könnte ich anschließend noch eben in den Extramarkt springen. Mal gucken, ob einer guckt. Und zurückgucken, falls ja, hehe…

 

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