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09.04.2006

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Warum immer ich?

Hallo Steffie!

 Dienstag bin ich über google.de zufällig auf deine Seite gestoßen. Dachte, das kann ja wohl nicht wahr sein.

 Immer war ich der Meinung, dass ich in den ganzen 20 Jahren meines Lebens einfach nur dafür bestimmt war, allen Menschen zu zeigen wie man alles am Besten nicht machen sollte, dass niemand sich Sorgen machen muss eine Pechsträhne zu haben, da diese sowieso an mir haften wird, und dass ich meinem Lebensmotto "blamiere dich täglich" wirklich treu bin.  

Ich bin so froh, dass es noch mehr Menschen gibt, die manchmal das Gefühl haben einfach im falschen Film zu sein. Die mit sich einfach immer das abolute Chaos bringen, oder alles um einen rum immer zum totalen Chaos wird, und man meistens sich dafür verantwortlich macht.  

Ich werde dir von meinem letzten Wochenende erzählen.

 Freitag Abend bekam ich einen lieben Anruf von einer Freundin, die zur Zeit ein Soziales Jahr in München absolviert. Lange nicht mehr gehört, trallala, gelächter, und der Vorschlag: "Komm mich doch mal besuchen". Verhängnisvoller Vorschlag. Da ich ja ein spontaner Mensch bin, sage ich zu gleich Samstag morgens loszufahren.

 Dazu muss ich sagen, dass ich definitiv eine Frau am Steuer bin. Ich halte mich für die größte Verkehrsbehinderung im Stadtverkehr und habe (keine Ahnung, warum) Angst vor der Autobahn. Nach München sind es 300 km von hier aus (bin aus dem schönen Nordschwarzwald) und ich überwinde meinen Schweinehund und tuckere mit meinem ratternden Axel auf der rechten Spur zwischen zwei LKW Richtung Süden.

 Als ich ohne dass ich einmal wüst ausgehupt wurde auch endlich den Finger auf der Klingel hatte, wurde die Tür von der Mitbewohnerin aufgerupft und sie gestikulierte mit Händen und Füßen wie wild, dass meine Freundin wohl vor zwei Stunden mit Blinddarm ins Krankenhaus gebracht wurde. Uff. Mühsam durch den Stadtverkehr ab ins Krankenhaus. Freundin gehts gut, muss zur Beobachtung bleiben und ich entscheide wieder nach Hause zu fahren.

 Autobahn, Hitze, Stau, Stress, Aaaargh, beiße ins Lenkrad. Auf den letzten 30 km Landstraße qualmt Axel aus der Motorhaube. Fahre in die nächste Aral (vielen Dank an die netten Leute in der Oberreichenbacher Araltankstelle, ich liebe euch) und öffne die Motorhaube. Eine Sekunde später ist die Tanke eingenebelt und ein übereifriger Jungspund rast mit dem Feuerlöscher genau in meine Richtung. Er lässt sich gerade noch durch mein "haaaaaalt, ist nur Wasserdampf!!" aufhalten und ist enttäuscht, dass er nicht den mutigen-Held-der-sich-in-dieFlammen-stürzt spielen darf. Das corpus delicti war das kochende Kühlwasser an dem sich natürlich die Frau am Steuer noch die Finger verbrüht, weil der Kühlwasserdeckel ganz und gar nicht kühl war. auuuauuauuautsch. Der tapfere Jungspund geleitet mich mitleidig grinsend zu einem Stuhl, drückt mir eine Coke in die Hand und ich darf von weitem zusehen wie er mit zwei Kollegen über den miserablen Zustand meines Fahrzeuges den Kopf schüttelt und das verdampfte Wasser auffüllt.  

Nach zwei Stunden komme ich fix und fertig, komplett durchweicht und mit den Nerven am Ende zuhause an. Ich beschließe, mich bis Montag Morgen zu verkriechen und nur zu essen und Filme zu gucken. Dazu muss ich nur noch Nahrung und Filmstoff besorgen. Samstag nachmittag. Welche Läden haben noch offen? Kaufland, ganz klarer Fall. Wieder ins Auto, nächster Halt Kauflandparkplatz.

 Mein kleines Schwesterlein hat in der Schule ein Schlüsselband gebastelt und mir zum Geschenk gemacht. Weil ich mit Geschenken sorgsam umgehe, hatte ich besagtes Band tatsächlich am Schlüssel. Hatte. Voller neugewonnenem Elan  schwang ich mich aus dem Auto. Das Schlüsselband hatte sich um die Handbremse gewickelt. Ich prallte zurück und mit Schmackes genau mit diesem Augenknochenkopfteil zwischen Auge und Schläfe gegen die Dachkante von Axel. Boing. Hab es irgendwie geschafft auf den Sitz zurückzukriechen und schwebte langsam in andere Sphären. Ich hörte himmlische Choräle und mir fiel auf, dass sterben wunderschön ist. Wenn da nicht dieses aufgedonnerte (Schnickse, das Wort gibt´s bei uns nicht, ich nenn sie mal ein Hohlbrot) Hohlbrot mir wie wild ihren viel zu langen, künstlichen Zeigefingernagel in die Schulter gebohrt hätte. Mein Auge schwamm irgendwo am Hals und ich glaubte doch tatsächlich, die leibhaftige Erlösung stünde vor mir. Von wegen. Ein giftiges: "Machen Sie jetzt endlich mal ihre Autotür zu, ich will hier ausparken!" holte mich wieder in die Realität zurück. Warum war ich hier? Ach ja, einkaufen.

 Wegen meiner Mutter ("bring mal Bier mit") schnappte ich flugs einen Einkaufwagen, die im Kaufland gigantisch riesig und schwer sind und lud innerhalb weniger Minuten Pizza, zwei DvD´s im Angebot, sehr viel Schokolade und zwei Kästen Sanwald Weizen auf. Der Wagen war mit dem  Bier nicht einverstanden und fing an, das rechte Hinterrad zu blockieren. Wie gesagt, die Wägen dort sind sehr riesig und schwer. Ich bin 1,50 m groß und nicht gerade ein Brecher. Den ganzen Weg zur Kasse habe ich mit den Füßen auf diesen ****++°^Einkaufswagen eingedroschen um das Rad in die Richtung zu bekommen, die ich gehen wollte, Mütter haben panisch ihre Kinder aus dem Weg gerissen und meine Flüche mit gerunzelter Stirn quittiert.

Welch ein Anblick. Ein schweißgebadeter Zwerg mit rotem Gesicht, einem geschwollenen Auge und zwei Brandblasen an den Fingern drischt einen viel zu großen Einkaufswagen voll mit Bier über das Parkdeck. Alles eingeladen, los kanns gehen.

 Wie gesagt, ich bin Frau am Steuer. Dass ausgerechnet dort, wo ich mit dem Hintern meines Axels rückwärts ausparke ein rotweiß gestreifter Pfosten steht, das ist doch einfach Absicht der Pfostenbauer. Päng, klirr, brösel. Ich bleibe sitzen und denke "warum immer ich?" Exakt zwei Minuten später, ich sitze immernoch mit den Händen am Lenkrad und starre Löcher, hüstelt ein junger sympatischer Kerl (leider in grüner Uniform) mir direkt ins Fenster. Wo der so schnell herkam? Schulternzucken. "Hat der Pfosten was abbekommen?" Der Pfosten?????? Und wer denkt an mich??? Hallo? Ich bin klein, ich bin niedlich!! Ich könnte mir den Hals angebrochen haben!! Dieser Tag wird bei mir traumatische Nachwirkungen hinterlassen!! Ich bin ein psychisches und körperliches Wrack!!!!

 Ich stolpere aus dem Auto, direkt dem uniformierten Knackarsch hinterher, der schon mal den kostbaren rotweißen Pfosten begutachtet. Ok bei einem roten Streifen fehlt ein bissel Lack und so ganz gerade steht er auch nicht mehr. Aber mein Axel!!! Das Rücklicht liegt in tausend Teilen zerbröselt und die Stoßstange (die schon viel mitgemacht hat) hat einen Riss.

 Der Knackarsch ist etwas unbeholfen (bestimmt ein Neuling) und stammelt in sein Funkgerät "Äh...also.....ich hab hier einen Kleinstunfall...." in der Zwischenzeit haben sich schon so ca. 45 Leute mit 32 Einkaufswägen um uns versammelt und ich überlege ob ich mich einfach zwischen die Gaffer stellen soll, so ganz unbeteiligt. Ein paar Kerle reißen Frau-am-Steuer-Sprüche (kennst du eigentlich die Seite www.frau-am-steuer.de ?) Kinder Fragen "Mama, hat die Frau da das kaputt gemacht?" Der Knackarsch hat wohl ein paar Instruktionen entgegengenommen und fragt ganz selbstbewusst nach Papiere. Während ich suche, wedelt er wichtig mit den Händen in Richtung Publikum "weitergehen, weitergehen". Die Tiefkühlpizza wird zur Tiefwasserpizza, die Schokolade verformt sich und der Knackarsch weiß absolut nicht was er tun soll. Wieder Diskussionen mit dem rauschenden Funkgerät und da kommt er. Der lichte Moment des Tages.

 Der lichte Moment: Ich habe einen roten Edding im Auto. Der Knackarsch beäugt interessiert, wie ich den abgeschrappten roten Streifen des rotweiße Pfostens säuberlich mit dem Edding wieder rot färbe. Deckel drauf. So. "Jetzt geben Sie mir eine mündliche Verwarnung, ich kratze das Rücklicht wieder vom Boden und dann verabschieden wir uns freundlich" allgemeines Kopfgenicke im Publikum, die sich gespalten haben in "mein Fanclub" und "Fanclub vom Knackarsch". Der Uniformierte ist sichtlich erleichtert und stimmt freudestrahlend zu. Nach zwei Stunden Kauflandabenteuer und einer ausgiebigen Dusche kann ich endlich mein Vorhaben, mich zu verkriechen, war machen. Dann bleibt auch noch der DvD-Player (Antiquität) bei einer DvD ständig hängen, aber das ist egal. Ich falle in einen komaartigen Schlaf und freue mich aufs nächste Wochenende.

 Wie gesagt, finde deine Homepage spektakulär. Habe jeden Buchstaben verschlungen und mich teilweise zerbröselt vor lachen. Mein Wochenende habe ich dir geschildert um zu verdeutlichen, dass auch bei anderen Leuten manchmal alles relativ ruhig vor sich hinläuft und dann auf einmal der Hammer (oder Knüppel) so heftig zuschlägt, dass einem alles nur noch wie ein schlechter Kinofilm mit sich selbst als Marionettendarsteller vorkommt. Nach dem Kauflandparkplatz war ich nur noch gespannt, wie alles weitergeht, ob es noch dicker kommt. Aber außer dass ich am Montag arbeitslos geworden bin, und seitdem auch der Fernseher kaputt ist (warum immer ich?), gab es keine besonderen Vorkommnisse.

 Shit happens

 Viele Grüße aus Pforzheim

von Sarah

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