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Werbung suggeriert leichtgläubigen Menschen häufig ein
falsches Bild. Aber offensichtlich mit großem Erfolg. Bis jetzt hat zwar noch keine Frau zu mir gesagt:” Wow, du stehst auf Comics und Animes?”, oder aber:” Wie war das noch mit den Grundregeln von Magic? Laß uns zu
Dir gehen und das mal in die Praxis umsetzen.” Trotzdem hab ich einen Axe-Deoroller im Bad stehen. Weswegen, fragt Ihr Euch? Na ja, ich weiß zwar, daß irgendwelche mehr oder weniger findigen Marketingexperten hinter
diesem Komplott stecken, aber als Katholik wird man dazu erzogen, nie die Hoffnung zu verlieren. Vielleicht haut die Mischung aus Desodorierungsmittel und Achselhöhlentranspirat ja wirklich mal `ne Braut so um, daß
sie tatsächlich auf mich und meine sämtlichen Hobbies und Neigungen steht. Allerdings wäre es wahrscheinlich wirkungsvoller, wenn ich mir Äther oder Chloroform unter die Arme schmieren würde.
Zumindest bin ich in meiner Naivität nicht allein. Welcher
Depp hätte ohne das Werbefernsehen auch nur mit dem Gedanken gespielt, `ne Kiste alkoholfreies Bier zu kaufen? Ihr glaubt gar nicht, wie viele einsame Typen mit ihrem Jack Russel- Terrier jeden Abend vor dem Tresen
sitzen und ein Clausthaler nach dem nächsten in sich reinkippen, ehe sie bemerken, daß die Blondine mit der alles entscheidenden Frage wieder nicht auftaucht, obwohl sie nach Feierabend extra zwei Stunden “ Nicht
immer, aber immer öfter” vor dem Spiegel geübt haben. Wenn der Wirt sie rausschmeißt, holen sich diese gescheiterten Existenzen dann doch noch `ne Palette Holsten von der Tanke und beschließen, den bekloppten Köter
morgen Früh im Tierheim abzuliefern. Bis zu dem Zeitpunkt, wo besagte Werbung das nächste Mal über den Bildschirm flimmert.
Realitätsverzerrung gibt es allerdings auch in Werbungen
für Hopfensäfte, die wirklich ballern. Stellt Euch mal die Mannschaft einer Segeljolle vor, die um die zwanzig Kisten Beck`s verkonsumiert hat. Das mit der “ Sail away”- Stimme im Tom Waits/ Hans Harz- Stil nehm ich
denen gerade noch so ab. Ich hab in dieser Werbung aber noch nie jemanden vollbreit aus dem Krähennest kippen sehen. Und über die Reling hat auch noch nie einer gekotzt. Außerdem find ich persönlich Regenwälder
retten die geschmacklich bessere Alternative.
Wenn ich keinen Bock auf die Wirklichkeit habe, kenne ich
mindestens 50 bessere Wege, als Werbung auf mich einrieseln zu lassen (Weizenbiere ausgenommen). Aber hin und wieder überkommt mich dann doch der Konsumrausch und ich stürme den nächsten Herthie, um mir all die
wunderbaren Sachen zu kaufen, ohne die ich bis jetzt ein erfülltes Leben führen konnte. Wahrscheinlich jedoch nur, weil ich es vorher nicht besser wußte.
Der Marlboro- Mann ist tot. Es lebe das HB- Männchen!
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