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09.04.2006

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Puppeteer Overkill

Was haben ein Eichkater mit Helfersyndrom, ein narzistisch angehauchtes Reptil mit Grammatikdefiziten und ein blauhäutiger Sekretär mit Jamnmerdepression gemeinsam? Sie entspringen alle einer beliebten Serie für Kinder. Und zwar nicht aus dem neuesten Pokemon-Clone, sondern - findige Medienjunkies wissen bestimmt schon Bescheid - “ Hallo Spencer!”

Was höre ich da!?! So schlimm kann das doch gar nicht sein!?! Unwissendes Volk! Gegen dieses von Plüschpuppen bevölkerte Dorf wirkt das Arkham Asylum (Gothams Nobelklapse und Wartezimmer für die kriminellen Elemente, die in den monatlichen Batman-Comics den dunklen Ritter nicht gerade ans Latex wollen) wie eine Kindertagesstätte.

Beginnen wir unseren Rundgang im Dorf der Verdammten bei Lexi, dem hellen Licht des Ortes. Er wohnt in einem ausgehöhltem Pilz und meint, er hätte den absoluten Überblick. Hin und wieder sieht er - aber auch die restlichen Dorfbewohner - eine Alufolienuntertasse mit krassen Farbeffekten landen. Bei der Party, wo der Pilz ausgehöhlt wurde, wär ich gern dabei gewesen.

Sein Nachbar ist Kasimir, oder kurz Kasi. Eigentlich macht der nichts anderes, als im Fahrstuhl steckenzubleiben oder seine Hilfe Nepomuk - dem fellgesichtigem Schloßherrn mit Torettsyndrom von nebenan - aufzudrängen, der Kasi in der Regel jedoch derbe auflaufen läßt.

Rechts neben Kasi wohnt “Brrrrrrrhuaaaaa, ich bin Poldi, der schönste Jungdrache der Welt, und ich will dir fressen!” Manche Sachen entbeeren sich jeglichen Kommentars.

Es folgt das Hausboot mit der Fleisch gewordenen Schizophrenie Mona und Lisa. Allein die Namen sprechen Bände. Das hat Leonardo (für die Jüngeren unter Euch: Da Vinci. Nicht Di Caprio.) echt nicht verdient.

Anschließend begeben wir uns zu einem ziemlich schweren Fall: Der Bahnwaggonbewohner Elvis ist unzufrieden mit seinem Job und erzählt in jeder Folge von seinem Seelenschmerz. Bis zur letzten Staffel hat der arme Mann keinerlei Fortschritt gemacht, sein psychisches Problem in den Griff zu kriegen. Selbst der Rat von seiner Therapeutin Lulu, mit der er ein eheähnliches Verhältnis pflegt, das Ganze mittels einer Kakteenzucht zu kompensieren, trug keine Früchte.

Der klassische Gegenpart zu Elvis ist sein Chef, Spencer, ein Maniker par excellence vor dem Herrn. Er scheint sein Leben mal eben so aus dem Handgelenk zu schütteln und erledigt alles mit einem Fingerschnipp. Der Tranquilizer, der den Typen ruhig stellt, wartet noch auf sein Bayer-Patent.

Leute, die ähnlich wie ich televisionsgeschädigt sind, werden sich denken: “He Mann, Du hast die coolsten Leute der Serie ja ausgelassen! Wo sind die Quietschbeus!?!” Denen kann ich nur sagen: Das sind die Einzigen, die in dieser Sendung das Prädikat “ normal” am ehesten verdienen. Ich meine, die Jungs sind Musiker. Von denen erwartet man doch sowas wie Drogenexzesse, Orgien und verwüstete Hotelzimmer. Hab ich bei denen noch nie erlebt.

Man könnte also als Fazit ziehen: Falls Du nicht irgendwann durchtillen und deinem Verstand auf Dauer “ Verpiss Dich!” sagen willst, solltest Du Musiker werden.

Bill Clinton spielt Saxophon. Und Herr Bush...?

 

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