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09.04.2006

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Kleine Weihnachtsodyssee

Alle Jahre wieder das gleiche große Theater auf allen Kanälen, in allen Wetterberichten: gibt es diesmal eine weisse Weihnacht oder nicht?

Nun, im Grunde ist es schon ganz nett, wenn Heiligabend alles verschneit ist, denn im Grunde ist das die beste Ausrede, um unliebsame, aber zerbrechliche Geschenke ruckzuck loszuwerden: “Huch! Hingefallen! Oooooh, wie schade, die schöne Suppenterrine von Tante XY!!! Dass ich aber auch ausgerechnet jetzt ausrutschen muss, wo ich die einmal feierlich die Straße rauf- und runtertragen und dem Herrgott für dieses tolle Geschenk danken wollte...”

Wie vorteilhaft ein warmes, trockenes, schnee- und eisfreies Fest sein kann, wird einem klar, wenn man die Horrormeldungen vom Blitzeis hört. Und wenn man dann eine Mail bekommt wie die, die mir Figoni geschickt hat, kann man auch mal auf die Idee kommen, das ganze Elend dieses armen geplagten Menschen ins Netz zu packen, denn ganz ehrlich: der Junge schreibt einfach göttlich und schreiend komisch! Also, denn ma viel Spaß damit!

************

(...)

Jetzt der wilde Tatsachenbericht vom 24.12, dem Tag, als der Eisregen kam: Als Stadtbewohner hat man es eigentlich leicht. Auch an den unmöglichsten Tagen  fahren wunderbare öffentliche Verkehrsmittel, die sich nichts sehnlicher wünschen, als mich sicher und bequem an meinen Bestimmungsort zu bringen. Da  macht es mir nur selten echte, praktische Probleme, dass ich kein Automobil  besitze.

Als nun am Heiligen Abend die heilige Scheiße, sprich: das pure, reine Glatteis vom Himmel fiel, dachte ich: hoffentlich geht das klar, nicht das die  Oberleitungen vereisen und sich keine Bahn mehr bewegt. Um sicher zu sein, ging ich fix auf die Homepage der hiesigen Verkehrsbetriebe, die mich zu beruhigen wußte. "Es liegen keine Störungen vor", so stand es da, in kurzen, präzisen Worten.

Durchaus beruhigt schlitterte ich also in Richtung U-Bahn-Station  und freute mich daran, dass die Welt aussah, wie glasiert. Nicht mal der ständige Nieselregen könnte mich stören, denn auf mich wartete ja die warme, unterirdische Tram.

Von wegen!!! Ich brauchte gar nicht ‘runterzugehen.  In dem Moment, in dem ich den Fuß auf die Treppe setzen wollte, schallte es mir  schon von einer kleinen, entnervten Frau entgegen: "Die Bahnen fahren nicht";  und zwar, wie sich herausstellte, schon seit 6.00 Uhr morgens nicht! Um 15.00  Uhr war ich auf der Homepage. Neun Stunden Zeit, aber diese grenzdebilen Blödsäcke kriegen es nicht geregelt, eine simple Störmeldung einzutippen.  Telefonisch waren sie übrigens gar nicht zu erreichen, da hat nicht mal einer  abgenommen.

Was also tun? Da die Straßen abgestreut waren, schien Taxi eine gute Idee zu sein. Dachte ich. Dachten auch andere. Ungefähr 100x so viele,  wie Taxis zur Verfügung standen. Ich bin eine Stunde bei Nieselregen durch die  Stadt gelaufen, habe wie blöde nach freien Wagen gesucht. Als ich am  Hauptbahnhof ankam, standen da so 30-40 Menschen vor einem Fahrzeug  an.

Also rein in den vor verirrten, verlassenen, entnervten Menschen überquellenden Bahnhof, noch mal anstehen an den Telefonen (ich weigere mich seit Jahren aus den üblichen Nörgler-Gründen mir ein Mobiltelefon zuzulegen; dafür wird man in solchen Situationen tüchtig abgewatscht) und bei den Eltern anrufen. In dem Moment wird mir auch klar, daß deren Auto nicht in der Garage  wohnt, sondern unter der Laterne. Vater erklärt sich zögernd bereit, mal zu schauen, ob er die Karre freikriegt und ich kaufe mir erstmal für teuer Geld den schlechtesten Kaffee beidseits der Karparten und darf beim Verzehr einer drogensüchtigen Mutter zuschauen, wie sie sich den Schorf von den blutigen Fixpunkten an den Beinen kratzt. Wäre ich nicht zufällig im richtigen Moment  rausgegangen, ich hätte wahrscheinlich erst Stunden später erfahren, das inzwischen ein Omnibusersatzverkehr lief. Ansagen gab es jedenfalls keine.

Heimgekommen bin ich dann doch mit dem Taxi. Da waren auch 45min Wartezeit und ein Fahrer, der nach eigenen Angaben seit 17 Stunden im Dienst war, zu ertragen.

(...)

P.S.: Die Bahnen fuhren übrigens nicht, weil die Oberleitungen vereist waren. Wer hätte da drauf kommen können?

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Geschichten, die das Leben schreibt... oder eben eMail-Kumpels!

An Figoni einen lieben Gruß, allen anderen sei noch gesagt, dass der junge Mann heile wieder nach Hause gekommen ist! ;-)

 

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