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Neulich in der Videothek:
"Waaaaas? Das willst du dir wirklich anschauen?" - "Ähh..... is für die Kinder!"
"Du hast doch gar keine Kinder.... du hast ja nicht einmal ´ne Frau, um welche zu machen!" - "OK. Ist für mich. Ich brauche mal wieder was Entspannendes."
"Der erste Teil war
schon Scheiße; und da willst du dir den zweiten auch noch antun?" - "Ich habe den Ersten nicht gesehen."
"Ist ja noch schlimmer. Du guckst doch sonst nur normale Filme?"
- "Jetzt halt die Fresse, und schreib ihn an wie immer. Bis morgen, dann."
"Mann, du musst echt bekloppt sein. Bis morgen."
Ich griff nach der DVD, steckte sie mir in die Jacke
und drehte mich nichtssagend um. Mit einen leichten Lächeln auf dem Gesicht schlich ich Richtung Ausgang, wissend dass mir keine mit Filzläusen übermannte Ökomüsli-Videotheken-Fachkraft (, die Greenpeace wohl
versehentlich zu lange an einen Castorbehälter gekettet hatte,) sagen brauchte, dass ich bekloppt bin. Der Tag hat mich dazu gemacht. Er steckte tief in den Knochen, sehr tief. Seit vier Uhr in der Früh auf den
Beinen habe ich den Kopf nicht aus den Akten bekommen, stundenlanges Meeting, nichts zu Essen, den ganzen Tag nur lauwarmes Mineralwasser, dessen Kohlensäure schon seit Ewigkeiten von der heißen Hochsommer-Sonne
heraus gebrannt worden ist. Ich war fertig, müde, ausgebrannt... Ich wollte nur noch nach Hause, etwas essen, mich auf meine Couch und die Füße hoch legen und mich von dem Film in meiner Jacke unterhalten
lassen. Ich brauchte diesen Film... heute... jetzt! Also stieg ich in meine stickige 120-PS-Sauna, ließ die Fenster herunter, stellte das Radio auf den örtlichen Oldie-Sender und fuhr in den rot-gold
glänzenden Abend Richtung Heimat. Ein leichter Smog-Nebel lag über der Stadt, das Radio dudelte einen alten Klassiker von Johnny Cash und ich fuhr mit einem Arm aus dem Fenster gelehnt durch das schlimmste
Viertel. Es kam mir vor als ob jeder Zug von meiner Zigarette in Zeitlupe verging. Ich konnte spüren, wie die Glut aufleuchtete, die Hitze über meine Wange empor stieg und sich der Rauch ganz langsam im Innenraum
verteilte. Sogar das Knistern bei jedem Zug schien lauter zu sein als die Musik. Es hatte etwas von einem modernen Western und ich war auf dem Weg zu einem Duell bei Sonnenuntergang, bei dem ich nicht einmal
wusste, ob ich der Gute oder der Böse war. Vielleicht war es dieses Wunschdenken, dass ich in ein paar Minuten von allen grausamen Qualen des Tages erlöst werden würde, und es somit doch noch ein Happy-End
für mich gibt. Und während ich bei 54 km/h den tödlichen Rauch Richtung Windschutzscheibe pustete, ließ ich die Stadt hinter mir. Und da lag es, eingebettet in saftig grünen Wiesen, vollbewachsenen Bäumen
und umringt von atemberaubender Stille: meine Zuflucht... meine Heimat... mein Zuhause.
Schnell den Wagen geparkt, die Treppe rauf und DVD, Geldbörse und Schlüssel abgelegt. Dann noch die
völlig durchgeschwitzten Klamotten vor die Waschmaschine geworfen und ab unter die eiskalte Dusche. Was für eine Wohltat. Ich spürte wie meine Lebensgeister im letzten Moment wieder erwachten, ein paar Minuten
später und ich wäre wahrscheinlich an einem Hitzschlag gestorben. Jedenfalls kam es mir so vor. Nach dem ich dem Tod durch einen 30 Minuten langen Duscheinsatz nun von der Schippe gesprungen war (und er mich
wegen meiner verschrumpelten Haut auszulachen schien), war es endlich Zeit, den Abend mit einer verbrannten Tiefkühlpizza und Körpertemperatur warmen Rotwein bei meinem ersehnten Filmspektakel ausklingen zulassen.
Voller freudiger Erwartung legte ich die DVD in den Player und lehnte mich zurück. Es war geschafft, ich spürte einen wohlig kribbelnden Hauch, der von außen langsam bis in das tiefste Innere meines Körpers
vordrang. Es fühlte sich an wie der Atem Gottes, der sagen wollte: "Das hast Du Dir verdient! Lehne Dich zurück und genieße mein Schaffen!" Ich spürte eine tiefe innere Freude. Und ich wusste,
nichts konnte sie vertreiben, weder die krebserregenden Schwarzkohle-Schinken-Scheiben auf meinem Abendmahl, noch die äußerst schmackhaften Gummistückchen, in die der Korken beim krampfhaften Öffnen des
dazugehörigen Alkohols zerbrach. Ich drückte auf "Play".
Gott kann ja so ein hinterhältiges Arschloch sein. Ein fieses, gemeines, schadenfrohes Arschloch. "Spy Kids 2 - Die Rückkehr der
Superspione" ist ein frisches, freches Kunststück der Filmindustrie für die ganze Familie, geprägt von spitzfindigen Dialogen, rasanter Action und charmanter Komik, gespickt mit technischen Raffinessen und
dementsprechend ausgefeilten Special-Effects... dachte ich. Doch was für ein mieses Elend mich in den nächsten knapp 90 Minuten erwarten sollte, hätte ich mir zu diesem Zeitpunkt in meinen schlimmsten Träumen
nicht ausmalen können.
Der erste Schauer überkam mich bereits als dieses Miramax-Logo über den Bildschirm flimmerte. Doch ich übersah diese Warnung und vertraute weiter dem Atem Gottes, unwissend dass ich
das Objekt seiner Belustigung für diesen Abend war. Und so nahm das Horrorszenario seinen Lauf:
Die Tochter des Präsidenten der Vereinigten Staaten klaut den Sicherheitsschlüssel des neusten und
schnellsten Karussells in einem völlig übertriebenen Vergnügungspark. Als diese Attraktion dann völlig überraschend (!) außer Kontrolle gerät und auf Grund des fehlenden Schlüssels nicht repariert werden
kann, hängt die blöde Rotz-Göre in so ca. 100 Meter Höhe auf dem Geländer fest und will sich nur von ihrem Vater retten lassen, da dieser ihr (zurecht) kaum Aufmerksamkeit schenkt. Und dann (ta ta ta
taaaaaa) kommen Carmen und Juni, alias die Spy Kids ins Spiel. Zwei vorpubertäre Balgen, die aussehen, als wären sie sogar als Kinder der Addams Family verstoßen und auf einem Autobahnrasthof ausgesetzt worden,
versuchen mit super-übertriebenen Hightech Spielzeug (wie im gesamten Rest des Films) einen auf abgebrühten Helden zu machen. Doch Halt. Das alleine wäre ja zu einfach. Also tauchen noch zwei weitere
Superspion-Kinder auf, die den ganzen Film über sich mit unseren Helden-Kinderchens einen harten Konkurrenzfight liefern. Gerti und Gerry Giggles. Man sollte meinen, sie seinen mit diesem Namen schon gestraft
genug, aber nachdem ich ihnen ein Weile zu gesehen habe, weiss ich endlich was Michael Mittermeier mit "Arschloch-Kinder" meint. Erste Bestandsaufnahme:
- Nachdem ich so richtig schön gekotzt
hatte, und nicht wusste, ob es nun am verbrannten Essen oder doch am Film lag, hoffte ich auf Besserung durch Antonio Banderas. Nachdem ich ihn nach "Desperado" schon als absoluten Kult-Darsteller
einstufte, belehrte er mich in "Zorro" eines Besseren. Nun beschloss ich, ihm noch eine zweite Chance zu geben, die er jedoch schon nach zehn Minuten in seiner Cooler-Vater-der-Spy-Kids-Rolle gnadenlos
vernichtete. Und während ich deprimiert anfing, diverse Kohle-Korken-Mischungen aus den Zähnen zu pulen, begann auch die Haupthandlung des Film, auf der mein aller letzter Funken Hoffnung ruhte.
Während
eines Festbanketts der örtlichen "Organisation der Super-Spione", kurz O.S.S. (was für ein Genie muss man sein, um sich diesen Namen aus denken zu können?), schleichen sich zwielichtige Gestalten in
Form von Kellnern ein, die ziemlich blöd aussehende Magneten auf dem Kopf tragen und alle Erwachsenen betäuben. Nach einem suuuuuuper spannenden Kampf gelingt es den Bösewichten dem Präsidenten eine Kopie des
Transmooker abzunehmen und zu entkommen.
- Transwaaaaaas? Was zur Hölle ist ein Transmooker? Hört sich so an, als könne es Kaffeebohnen in Gemahlenen verwandeln oder so. Aber warum sollte es dann ein
böses Schlitzohr klauen wollen? Mein geistiger Zerfall schritt unaufhaltsam voran. Und so geschah es, dass meine noch nicht von Miramax-Pictures getöteten Gehirnzellen tatsächlich so etwas wie Neugierde
produzierten.
Entgegen meiner Vermutung, dass der Transmooker etwas mit der Zubereitung von Lebensmitteln zu tun hat, stellte sich heraus, dass es sich um eine Waffe handelt, die in der Lage ist, die gesamte
Elektrizität der Erde außer Kraft zu setzen. Booohhaa! Also machen sich die Spion-Babys auf den Weg zu einer geheimen Insel, wo sie den Original-Transmooker vermuten. Vorher kurz noch in diverse Computer
gehackt, die konkurrierenden Arschlochkinder in die Wüste geschickt und die aller neusten technischen Spielereien in die Taschen gesteckt, und schon kann es in einem libellenförmigen U-Boot losgehen. Und das alles
mit einer übertriebenen Cleverness und Coolheit, dass einem regelrecht schlecht wird.
- Muss schon wieder kotzen! Aber dieses Mal wegen den in die Wüste geschickten A.K.´s, die in einem riesigen Haufen
Kamel-Scheiße landen. Dabei ist es nicht die Situation, die mich zu dieser Reaktion treibt, sondern eher das Armutszeugnis dieses Films, sich Lacher auf diesem Fäkalien-Humor-Niveau zu erhoffen.
Auf der
Insel angekommen begegnen unsere Sandmännchen-Spione einem verrückten Wissenschaftler (uuuuui, wer hätte das gedacht). Dieser hat nicht nur den Transdingsbums gebaut, sondern ist auch für viele coole Kreuzungen
von verschiedenen Tieren verantwortlich. So bekommen wir zum Beispiel eine Kreuzung aus einem Höhlenmenschen und einer Spinne zu sehen, oder zwischen einer Echse und einer Schlange, die sich dann noch richtig fies
bekämpfen, weil die blöden kleinen Arschlochkinder wieder alles versauen wollen. Lange Rede - gar kein Sinn, so geht es auf der Insel mal hin mal her, als sie den Transmooker finden, wollen die Bösen ihn
haben, es entwickelt sich ein billiges Fang-das-Hütchen-Spiel und der Showdown findet am Strand statt. Dieser Showdown ist, wie sollte es auch anders sein, nicht mehr an Peinlichkeit zu übertreffen, als plötzlich
die Spy Kids - Eltern und auch noch (und jetzt haltet euch fest) die Spy Kids - Großeltern auftauchen. Es folgt das übliche "der-Bösewicht-erzählt-siegessicher-seinen-ganzen-Plan-Gequatsche" und nach
einem äußerst unspektakulären Finish gibt es so ein dämlich-schmalziges Happy-End, dass ich mir fast in die Hosen geschissen hätte.
- Leblos liege ich da auf meiner Couch und kann hören, wie sich Gott
über meinen Zustand kaputt lacht. Dieser Sadist. Was habe ich getan, dass er mich mit so einem Film straft. Was für ein abscheuliches Verbrechen an der Menschheit soll ich begangen haben, dass er an mir das
gleiche Folterinstument benutzt, mit dem der Teufel in der Hölle die Massenmörder quält. WARUM HERR........?
***** Ich habe ehrlich gesagt nur ein einziges Mal gelacht. Der "Spork" ist eine
gelungene Kreuzung aus einem Schwein und einem Spatz, und macht ebensoviel Laune, wie die fliegende Kuh im Wirbelsturm von "Twister" (oder es lag an der Flasche Wein, die ich bis zur Hälfte des Film schon
ausgesaugt hatte, um meine Schmerzen zu stillen). Dieser Streifen ist eine blamable Enttäuschung für jeden Zuschauer und eine peinliche Vorstellung von Darstellern und Produktion. Auch die an einigen Stellen
gelungenen Spezialeffekte können nicht über die erschreckend miserable Leistung hinweg täuschen. Eine viel zu übertriebene Darstellung und eine lieblos dahin geklatschte Story machen aus dem als
Familienunterhaltung gedachten Movie in der Tat ein Folterinstrument für Alle über 14 Jahre, und stellt damit ein weiteres Unfähigkeitszeugnis der Miramax Film Corp. dar. Auf einer ziemlich langen Liste der
schlechtesten Filme aller Zeiten ist Dieser mit Sicherheit unter den Top-Twenty.
Doch irgendwie schien Gott an diesem Abend vor mir ins Bett gegangen zu sein, denn nach diesem 90 minütigen Grauen (diesen
Film hätte man besser an einem bestimmten Menschen und ein paar Robotern in einem knochenförmigen Raumschiff testen müssen) drückte ich mit letzter Kraft auf den "powered by emotion - Knopf" meiner
Fernbedienung und lande bei dem Kuschelsender mit dem bunten Ball. Und so geschah es, dass Harald Schmidt mir nicht nur den Rest des Abends, sondern das ganze Leben mit seinem köstlichen Witz und Charme rettete.
Denn auf Grund der Angst, weitere Filme wie "Spy Kids 2" irgendwann erleben zu müssen, und nicht zuletzt angesichts der Demütigung durch den Herrn, hätte ich mich mit Sicherheit noch vor Mitternacht
erhängt, um Gott voller Dankbarkeit für diesen besonderen Tag ans Bein zu pissen.
Danke, Dirty Harry. Dein Tömmes
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