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23.10.2007

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Pans Labyrinth

Oh mein Gott, wie beschreibe ich diesen Film? Schrecklich schön, schaurig fantastisch, brutal, schonungslos, aber voller Hoffnung, knallharte Realität und schockierende Fantasiewelt miteinander verwebend, voneinander isolierend, miteinander verknüpfend…

Das Mädchen Ofelia (Ivana Baquero) liebt ihre Bücher über Feen und elfen, und so nimmt sie diese auch mit auf die große Fahrt, als ihre hochschwangere Mutter die Reise zu ihrem Mann antritt, um auf sein Geheiss in seiner Nähe zu sein, wenn sein Sohn geboren wird. Carmen Vidal (Ariadna Gil) ist eine desillusionierte, traurige Frau, die wohl Vernunft über Liebe stellte bei der Wahl ihres zweiten Ehemannes, des kaltherzigen Hauptmanns Vidal (Sergi López), der im frühen Franko-Spanien mit brutalsten Methoden gegen die Partisanen in den nordspanischen Bergen vorgeht.

Selbst von seinen Angestellten nur gehasst und gefürchtet ist er auch zu Ofelia alles andere als liebenswürdig, und das Kind spürt nur zu deutlich, dass sie für ihn der notgedrungen hinzunehmende Störfaktor in der Verbindung zwischen ihm und ihrer Mutter ist.

Einmal in seinem Hauptquartier, einer stillgelegten Mühle, angekommen, sucht Ofelia daher schnell nach Ablenkungen, und findet diese in Form eines seltsamen Insekts, das sie während der Anreise kurz sah und das sie seitdem verfolgt hat. Sie stößt hierdurch auch auf das geheimnisvolle Labyrinth im Wald, vor dem Mercedes (Maribel Verdú), Vidals Mädchen für alles und gleichzeitig akut in Lebensgefahr, da sie eine heimliche Kollaborateurin der Partisanen ist, sie sofort warnt. Das Labyrinth sei viel älter als die Mühle selbst, und Ofelia könne sich dort nur verlaufen.

Die Warnung hindert das Kind nicht daran, sich nachts von dem Insekt dort hinein leiten zu lassen, und so steht sie schließlich staunend im Zentrum des unheimlichen Ortes vor einer tiefen Wendeltreppe, die sie zu einer geheimnisvollen Statue führt. Hier trifft sie erstmals auf den Pan, der ihr mitteilt, sie sei die Wiedergeburt der Prinzessin eines unterirdischen Märchenreiches, doch um dorthin zurückkehren zu können, müsse sie zunächst drei Prüfungen bestehen…

Von nun an spinnen sich zwei Handlungsstränge weiter, die einerseits komplett gegensätzlich wirken und doch auch subtile Parallelen aufweisen. So finden sich Ereignisse in der Bürgerkriegsrealität, die sich in der Fantasywelt widerspiegeln. Die Zauberwurzel, die Ofelias Mutter bei ihren Schwangerschaftskompikationen helfen soll, wird vernichtet, wenig später erschießt Hauptmannn Vidal den Arzt seiner Frau, da er ihn als Unterstützer der Freiheitskämpfer enttarnt hat. An der schaurigen Festtafel in Ofelias zweiter Prüfung sitzt das kinderfressende Monster ebenso vor Kopf, wie wenige Szenen zuvor noch das menschenverachtende Monstrum Vidal am Kopf seiner eigenen Tafel saß. Ofelia verliert zwei ihrer kleinen Feenhelfer während dieser schrecklichen Prüfung, ebenso muss der stotternde Partisane eine brutale, grausame Folter ertragen, an deren Ende er um seinen Tod bettelt.

Das Ensemble spielt gut miteinander, wenn auch die Protagonistin, teils aufgrund der ihr zugewiesenen Szenen, teils aufgrund doch irgendwo noch spürbarer schauspielerischer Grenzen etwas zu glatt wirkt. Ihr gegenüber steht eine wunderbare Maribel Verdú, deren Mercedes in ihren inneren Konflikten und Ängsten herzzerreissend ist, und durch wenige mimische Mittel eine enorme Bandbreite von Gefühlen zu transportieren weiss. Hier sieht man das berühmte Feuer der spanischen Frauen durchblitzen, dort die nackte Verzweiflung. In der Szene, in der Ofelia zugibt, dass sie um Mercedes’ doppeltes Spiel weiss, fegt in einem kleinen, fließenden Augenblick die Frage über Mercedes’ Gesicht, ob sie dieses unschuldige Mädchen jetzt ausschalten muss – und dies überhaupt kann – und endet durch eine herzliche Umarmung für die Kleine in der Erkenntnis, dass sie beide in diesem Haus nur wider ihren Willen ausharren, und sie somit Schwestern im Leid sind. Halszuschnürend ist aber auch die Szene, in der der Doktor über das Schicksal des Gefolterten, und somit über sein eigenes, entscheidet. Wunderbare Leistung.

Neben drei Oscars (Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bestes Make-Up, alle in meinen Augen wohlverdient) sahnte der Streifen den Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film (es handelt sich um eine mexikanisch-spanische Produktion) ab und erhielt auch sonst etliche Auszeichnungen. „Pans Labyrinth“ ist ein wunderbar gefilmtes, düsteres, schonungsloses Märchen, mit schaurigen Schockeffekten in der Fantasiewelt und schrecklichen Szenen im Kampf zwischen Armee und Bevölkerung. Es schlägt kunstvoll den Bogen zwischen gruseligen, atmosphärischen Wunderwelten und eiskalten Hinrichtungs- und Folterszenen. Es ist somit klar, dass Kinder diesen Film steffienitiv NICHT sehen sollten, allerdings sei er jedem Erwachsenen glühend ans Herz gelegt, und es wundert mich nicht, dass der Flick ein Kritikerliebling ist.
 

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