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09.04.2006

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Mann unter Feuer

Der beste Streifen mit Denzel Washington, den ich bisher gesehen habe:

John Creasy (Denzel Washington; „Training Day“, „John Q.“, „Viel Lärm um nichts“) ist ein Mann, der sich selbst nicht vergibt.

Geplagt von der eigenen Vergangenheit, in der er als Anti-Terror-Spezialist des CIA auch auf Befehl tötete, hat er mit dem Leben angeschlossen. Weder im Alkohol noch in der Bibel findet er die Kraft, sich aufzuraffen und weiterzuleben.

Dieser Mensch, der im Grunde völlig am Ende ist, wird von seinem Freund Rayburn (Christopher Walken; „Gods Army“, „Grabgeflüster“) nach Mexiko City geholt, um dort als Bodyguard zu arbeiten.

Creasy will im Grunde nicht, hat aber sonst keine besseren Angebote, und so findet sich der Mann, der eigentlich seine Ruhe vor der Welt haben will, plötzlich als Bodyguard der 9 Jahre alten Pita (Dakota Fanning; „I am Sam“, „Krieg der Welten“), Tochter des Industriellen Samuel Ramos und dessen US-amerikansichen Frau Lisa und das blühende, lachende, herzige Leben, wieder. Der brummige, abweisende Eigenbrödler ist für Pita ein großer, trauriger Teddybär, und obwohl Creasy sich zunächst dagegen wehrt, schleicht sich das kleine Mädchen in sein Herz. Der Mensch, der sich vor kurzer Zeit noch das Leben nehmen wollte, lernt durch ein Kind, wieder zu lachen. Zwischen den beiden wächst eine tief empfundene Freundschaft heran.

Es kommt, wie es kommen muss: Pita wird entführt, Creasy beinahe dabei getötet, und als er ansatzweise wieder ansprechbar ist, erfährt er, dass die Lösegeldübergabe versaut wurde. Pita ist verloren.

Selbst mehr tot als lebendig, begibt sich Creasy auf einen brutalen, gnadenlosen Rachefeldzug, um den Mördern des Mädchens seine eigene kleine Nemesis zu bereiten: „Vergebung ist eine Sache zwischen Ihnen und Gott. Ich arrangiere nur das Treffen“…

Wow.

Ich hab gelesen, der Film ist ein Remake eines Films aus dem Jahr 1987. Ich glaube, in diesem Fall verzichte ich ausnahmsweise darauf, den Vorgänger anzusehen, und zwar aus einem einzigen Grund:

Washington ist superb und auf keinen Fall auch nur ansatzweise zu toppen.

Denzels Creasy ist ein Mensch am Abgrund, und jede kleine Geste, einzelne Blicke, jeder Atemzug sitzen. Dieser Mann sehnt sich nach dem Tod, hat keinerlei Perspektive mehr und will, dass alles ein schnelles Ende findet. Und Washington lässt ihn unter Pitas kleiner, strahlender Sonne aufblühen. Wie kann man so was so hervorragend transportieren? Ich bin baff. Und froh und glücklich, dass Will Smith die Rolle abgelehnt hat.

Fast noch beeindruckender ist Dakota Fanning, bei der ich mich ernsthaft frage, wie man ein Kind dazu bringt, einen solchen Terror zu zeigen, ohne es wirklich mit Waffen zu bedrohen. Die Szene der Entführung, in der Pita nicht nur Angst um sich selbst hat, sondern schließlich auch mit ansehen muss, wie Creasy von mehreren Schüssen getroffen im Kugelhagel zusammenbricht, tragen weder Zeitlupen noch dramatische Musik, sondern einzig und allein das Mädchen, dass hier spielt, als ginge es wirklich um ihr Leben. Herzzerreissend.

Hinzu kommt Walken, der endlich einmal einfach nur einen liebevollen Familienvater und großartigen Freund spielen darf, was nach den vielen skurrilen Rollen, aus denen man ihn kennt, schlichtweg schön ist. Ursprünglich war ihm auch hier die Rolle eines der “Bad Guys” angeboten worden, und mir gefällt die Tatsache, dass er selbst davon die Schnauze langsam voll hatte.

Dieser Actionstreifen bietet eine Menge Kawumm, blaue Bohnen und Explosionen ohne Ende, Tote, alles, was so dazu gehört.

Und gleichzeitig ist das völlig nebensächlich, denn hier geht es um die Abgründe des Menschlichen, und um die Frage, ob Rache okay sein kann.

Spannend, anrührend und auch optisch gelungen durch kleine Kniffe, bei denen Regisseur Tony Scott viel mit Licht und Dunkel oder gerne auch mal mit hektischem Diskoeffekt arbeitet.

Unbedingt ansehen!

 

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