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King Kong (2005)

„Mir wär’s lieber, wenn King Kong am Ende nicht sterben würde. Nicht, weil’s so traurig ist, sondern weil die Leute dann so eine „Hach ja“-Stimmung haben“ Auf diese Aussage von Alex kommt von mir ein „King Kong ohne toten King Kong ist kein King Kong! Das ist, als würde die Titanic den Eisberg verpassen!“ zurück. Man vereinbart gerade einen Kinotermin, und ich freu mich wie Axt drauf, denn diese Nummer mit dem großen Affen hat es mir schon als Kind angetan gehabt, hat man den Streifen doch schon unzählige Male gesehen und sogar die Neuauflage von 1976 mit Jeff Bridges und Jessica Lange artig bei jeder Wiederholung auf Kabel 1 mitgenommen.

Die Story ist auch in der 2005er Neuauflage die altbekannte: Man entdeckt auf einer einsamen Insel eher unfreundlich gestimmte Eingeborene, die die mitgeführte Blondine einem riesigen Gorilla als Opfer darbringen, versucht dann den halben Film über, Blondchen wieder einzusammeln, und am Ende schleppt man sowohl die abhanden gekommene Frau als auch den Kidnapperaffen mit nach New York, wo letzterer ausbricht, mit der Frau auf das Empire State Building klettert (Im 76er Film war’s übrigens das damals niegelnagelneue World Trade Center, aber da wir die Handlung von Regisseur Jackson wieder in den 30ern angesiedelt bekommen, was mir sehr gefällt, landet man beim altbewährten Kletterspielplatz), dort ein paar Flugzeuge zerlegt und schließlich den Tod findet.

Und dann sitz ich im Kino und denke nach der Hälfte des Films kurz vor der Verzweiflung „Verdammt, WARUM muss King Kong sterben?!“

Vorweg sei Eines gesagt: Oskarjunge Peter Jackson hat hier ein Wahnsinnsbudget zum Spielen gekriegt. Und er hat gespielt. Lang und ausgiebig. In diesem Streifen sind denn auch einige Handlungselemente eher exzessiv behandelt und zum Teil durchaus als überflüssig zu bezeichnen. So brauche ich nicht unbedingt minutenlange Szenen mit panisch durch das Set galoppierenden Brontosauriern auf der Flucht vor hungrigen Raptoren, die mich gleichzeitig an „Jurassic Park“, die Reiter von Rohan unter den Füßen der Olifanten in „Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“ und die Gnuszene in „König der Löwen“ erinnern. Und weshalb da alle Darsteller unbedingt mitlaufen, das Tempo halten und NICHT alle plattgewalzt werden, ist mir schleierhaft und nach Aussage von Alex „total unrealistisch. Also, selbst für DEN Film“. Recht hat er. Allerdings ist mir persönlich jetzt klar, warum die Viecher ausgestorben sind, benehmen die sich doch offensichtlich wie die Lemminge, und so musste ich denn auch recht herzlich lachen, als es an einem Abgrund angekommen zur Massencaramboulage kommt.

Sei’s drum.

Auf der anderen Seite stehen nämlich dicke Pluspunkte:

Zum einen wäre da Naomi Watts, die schlichtweg super spielt und eine wahnsinnig gefühlvolle Beziehung zu einem digitalen Konterpart aufbaut, sprich niemanden hat, der ihr diese Höchstleistung helfend aus den Rippen kitzeln könnte, wovor ich ehrfürchtig den Hut ziehe. Hallo Oskar, hier bist Du richtig! Gleichzeitig ist die Dame wunderbar anzusehen, nicht als heisse kleine Sexbombe wie in „Grabgeflüster“, sondern als bildschöne Charakterfrau. Miss Watts hat selbst noch als dreckig-pekig zerrupfte Affenliebe ungemein viel Charisma, welches selbst im Arm eines Affen schlafend noch Wirkung hat. Ihre Ann steht schmutzverkrustet im Dschungel, atmet einmal tief durch, schiebt strubbeligste Strähnen aus dem Gesicht und erntet ein „WOW“ von mir.

Dann wäre da Kong, eine Meisterleistung des CGI, beseelt durch die digitalisierte Mimik und Gestik von Andy Serkis, der schon Gollum Leben einhauchte und auch als Gorilla zu taugen scheint. Dank der komplett im Computer generierten Figur wirkt Kong erstmals wirklich wie ein Affe. Die Hälfte seiner Szenen hindurch dachte ich Dinge wie „Wow, wie bei den BBC-Dokus!“, und in dem Moment, wo Kong einem T-Rex einen Felsen auf die Rübe zimmert, kommt ein verhaltensbiologisch angehautes „Sieh an, er benutzt Werkzeuge!“ in mir auf, neben einem inbrünstigen „Jau! GIBT’S IHM!!“. Wie schon bei Gollum ist hier ein so lebendig wirkendes Wesen entstanden, dass man nicht umhinkommt, jedes Detail als „realistisch“ zu bezeichnen, selbst wenn es absolut irrwitzig ist, einen Riesengorilla durch New York turnen zu sehen.

Darüber hinaus sind auch die Nebenrollen gut besetzt. Adrien Brody als Anns Kavalier Jack, der verzweifelt versucht, seine Angebetete zu retten, Jack Black als geldgeiler Regisseur und Gelegenheitstierfänger, und Thomas Kretschmann als markiger Indiana Jones-Captain sind durch die Bank cool, und selbst die Matrosen und Hiwis in diesem Streifen wirken. Hinzu kommt Kyle Chandler als Schauspieler und Held wider Willen, der Gelegenheit für einige recht nette Dialoge erhält. So gefällt mir besonders die Erkenntnis, dass wahre Helden dünnes Haar und Bierbäuche hätten. Er sei kein Held, sondern Schauspieler.

Und was dann noch dazu kommt: Jacksons Talent, aus kleinen Szenen ganz großes Tennis rauszukitzeln:

Da wird also Naomi Watts dem Affengötzen geopfert. Dass das nicht gerade mit ihrem Einverständnis passiert, ist klar. Neu ist aber bei diesem King Kong, dass man in die Rolle des Opfers gedrängt wird. Wie schon bei der Schlacht um Helm’s Deep im 2. HdR kitzelt Jackson hier Reaktionen aus mir heraus, als sei ich selbst in Bedrängnis. Watts kämpft. Sie will nicht, was man mit ihr tut, und sie wehrt sich verzweifelt. Wenn sie könnte, würde sie ihre Zehen in die letzten Planken krallen, als man sie an den Armen gefesselt über einen großen Graben hinweg auf die Opferplattform hievt. Einen schrecklichen Moment lang hängt sie zappelnd in der Luft, absolut ohnmächtig und ihrem Schicksal ausgeliefert. Mich beschäftigte schon oft die Frage, wie man sich fühlt, wenn man aufs Schafott geführt wird und der Henker das Beil hebt, auf dem Scheiterhaufen steht und die Fackeln kommen, man in vorderster Reihe steht und der Angriffsbefehl kommt… Jackson zeigt es hier. Und Steffie hat Gänsehaut und krallt sich die eigenen Nägel ins Fleisch.

Ebenfalls brillant: Ann und Kong. Die Schöne und das Biest? Im Film hiermit verglichen und als Schlusssatz noch mit „Schönheit war des Monsters Tod“ (oder so ähnlich) bedacht, wage ich zu behaupten, dem Affen ging’s nicht um die Optik, sondern um die Bindung, die ihm fehlte, und die die beiden ohne Worte (abgesehen von „wunderschön!“) eindrucksvoll aufbauen. Kong ist einsam. Die sterblichen Überreste seiner Horde sind noch an seinem Lagerplatz zu sehen, und der alte Silberrücken trägt die Spuren der Kämpfe, die er für sie ausgefochten hat, und man spürt, dass dieses Tier leidet. Gut vorstellbar, dass dieses Ungetüm die Nähe der kleinen nackten Affen suchte, die an der Küste leben, und dass er die ihm von dort voller Angst dargebotenen Opfer bereitwillig angenommen hat, denn bereits in dem Moment, in dem er das kleine blonde „Püppchen“ vom Opferplatz abholt, merkt man seine schiere Begeisterung für dieses willkommene Spielzeug.

Als das kreischende Etwas plötzlich reglos am Boden liegt, ist er maßlos enttäuscht, und in dem Moment, in dem er aus dem Dschungel heraus die Schreie der vor ihm geflohenen, bis zum Hals in Schwierigkeiten steckenden Frau wieder hören kann, ist er sofort zur Stelle, seine Beute zurückzufordern, selbst wenn er dafür drei T-Rex gegenübertreten muss. Und siehe da, das Menschlein beweist Vertrauen! In dem Moment, in dem Ann zwischen Dino und Gorilla steht und sich auf Kongs Seite schlägt, knüpfen die beiden ein erstes zartes Band, und es macht Spaß, zuzusehen, wie sich diese Bindung festigt.

Als Kong letztlich in New York zur Schau gestellt wird, ist es gar nicht einmal die Tatsache, dass dieses wunderbare Tier gefesselt einer Menschenmenge zur Schau gestellt wird, die mir nahe geht, sondern vielmehr das besorgte und doch hoffnungsvolle „Nachfragen“ Kongs an die winzige Frauengestalt, die vor ihm aufgebaut wird, und die bittere Erkenntnis, dass es sich nicht um „seine“ Ann handelt, die mich rührte.

In meinen Augen basiert diese Beziehung nicht einmal ansatzweise auf dem Aussehen der werten Miss Watts oder überhaupt irgendwelchen wilden sexuellen Konstruktionen, sondern vielmehr auf dem tiefen inneren Bedürfnis, jemanden zu haben, der vertraut ist und der Nähe gibt. Und Sicherheit.

(Und an dieser Stelle sei jedem Haustierhalter mit auf den Weg gegeben: Wenn Du hier Mitleid mit dem Affen hast, der nur aus dem Computer kommt, überleg Dir mal, was Du einem einzeln gehaltenen Tier antust, dass Du ganz real im Käfig bei Dir sitzen hast und mit dem Du nie genug Zeit verbringst – und sorg da gefälligst für Abhilfe…)

Fazit: im Film war manches über, aber insgesamt halte ich freudestrahlend beide Daumen weit nach oben und freu mich auf die DVD. Da kann ich die Dinos dann ja vorspulen.

 

(UND: Ich habe NICHT „Hach ja“ gesagt!!)

 

 

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