|
Eigentlich wollten wir was komplett anderes ansehen, als Basti, Annabell und ich in diesem Streifen gelandet sind. Einzig das
unkoordinierte „Wer fährt?!“-Spielchen brachte uns dazu, uns „Jarhead“ anzugucken, obwohl ich aufgrund der Vorschau durchaus beschlossen hatte, dass das interessant klang.
Nun, mir tat’s nicht leid, dass wir umdisponieren mussten an diesem Abend.
„Jarhead“ erzählt die Geschichte des US-Marines und Scout Snipers Anthony Swofford, (Jake Gyllenhaal), und zwar die wahre Geschichte.
Der wirkliche „Swoff“ ist einer der Veteranen aus dem ersten Golfkrieg, und was man hier sieht, ist die Verfilmung seines autobiographischen Kriegsberichtes, schnörkellos, ehrlich und insofern heftig.
Der Film begleitet Swofford von der Grundausbildung, die einen unweigerlich an „Full Metal Jacket“ denken lässt, und von der man
insgeheim immer noch hofft, dass Menschen NICHT WIRKLICH so behandelt werden und das dann auch noch als Dienst am Vaterland bezeichnet wird, bis in den Einsatz am Golf. Dabei werden schonungslos alle auftretenden
Nuancen psychischer (Un)Gesundheit aufgrund von sinnloser Schikane, zermürbender Langeweile, Sehnsucht nach der daheim gebliebenen Frau, Angst vor deren Untreue, Geilheit auf den ersten Schuss auf den Feind und der
ersten Begegnung mit friendly Fire oder getöteten Unschuldigen gezeigt.
Der Film von Regisseur Sam Mendes zeigt auf, wie hoffnungslos alleingelassen man als Soldat in der Wüste hockt und auf den Feindkontakt
hofft, während dessen dann schließlich gleichzeitig Todesangst und Kampfeslust an einem Nagen. Der einzige Rückhalt, der sich anbietet, ist der durch die Kameraden, und irgendwann kommt der Punkt, an dem sich der im
Inneren lauernde Wahnsinn Luft verschafft und sich gegen Schwächere entlädt. Und auch hier sind die Kameraden der letzte Fels in der Brandung des Irrsinns.
Am Ende des Films ist nicht ein Einziger übrig, der nicht irgendwann völlig ausgeklinkt wäre.
Ein beeindruckender Film, der statt Blut und wilden Gefechten vielmehr das gequälte Seelenleben des Einzelnen in den Vordergrund rückt,
und der die Idiotie des Krieges dadurch um so deutlicher vorführt.
Sowohl Gyllenhaal („Donnie Darko“) als auch Peter Sarsgaard als Swoffs Partner Troy haben schauspielerisch Eindruck bei mir geschunden.
In einer kleineren Rolle sei noch Chris Cooper erwähnt, der mir grundsätzlich nur als Cop oder Soldat im filmischen Gedächtnis rumschwirrt und auch hier wieder wie ein echt eingefleischter Offizier rüberkommt.
Zurück
|