Letztes Update:
23.10.2007

Was ist neu?

Home
Warum nur?
Ich
Kranke Ansichten
Filmfieber
Anjas Ansichten
Fremdverschuldet
Guestbook
Links

Who is who?

Willst Du in die Update-Liste? Sonst irgendwas zu sagen? Na dann...

Mailde Dich!

Wer Tippfehler findet, darf sie behalten!

Impressum

Herr der Ringe -
Die zwei Türme

Um es kurz zu machen und es mit Ölafs Worten zu sagen: seeeeeeehr gute Arbeit!

Nachdem der erste Teil der Saga schon bis in den Himmel gelobt wurde von mir, müsst Ihr jetzt noch Schlimmeres über Euch ergehen lassen, denn dieser Flick ist der helle Wahnsinn, und das nicht einmal, weil er das Buch so grandios umsetzen würde - um genau zu sein, gibt es sogar zwei Änderungen im Film im Vergleich zum Buch, die mich kurzzeitig in Erwägung ziehen ließen, Peter Jackson dafür zu hassen.

Zum einen verzeihe ich ihm niemals, dass der durch und durch gute und edle Faramir, Heermeister von Gondor und Bruder des im ersten Teil dahingerafften Boromir, in Jacksons Film tatsächlich versucht, Frodo nach Gondor zu verschleppen. Das passt nicht nur nicht ins (Charakter-)Bild, sondern absolut nicht zu dem Gegensatz, den Faramir eigentlich zu seinem hitzigen Bruder bildet.

Zu, anderen stört mich doch gewaltig, dass Baumbart nur mit einer List von Merry und Pippin überzeugt werden kann, in die Schlacht zu ziehen. Erst, nachdem die Hobbits ihn unter Vorwänden dazu bringen, nach Isengard zu wandern, beschließt der Ent im Film, in das Kriegsgeschehen einzugreifen.

Die übrige Story wurde insgesamt dann auch noch so wild gewunden, dass ich mir nähere Ausführungen spare. Aber wow, was hat Jackson sich ins Zeug gelegt, diese fiesen Ideen wieder auszubügeln! Wo soll man anfangen?

Vielleicht bei Rohan, allein schon aus dem Grund, weil die wilden Scharen der Riddermark schon immer meine absoluten Favoriten bei Tolkien waren und wirklich fantastisch dargestellt werden. In Auftreten, Aussehen und Architektur stark an die realhistorischen nordischen Völker angelehnt, mit einer prächtig-wuchtigen hölzernen Halle zu Edoras, herrlich wilden langen Männermähnen und den schmalen, keltisch-germanisch anmutenden Gewändern der Frauen, verbindet Jackson hiermit bei der Choreographie der Kämpfe noch die Strategien der frühen asiatischen Reitervölker. Mir als leidenschaftlichem Fan der Skythen und Samarten lief beim Auftritt der Rohirrim, die im vollen Galopp von Aragorn angerufen werden und daraufhin durch einen kleinen Zeig mit dem Speer ihres Anführers Éomer zu einer Kreisformation um die Fremden dirigiert werden, ein Schauer den Rücken runter, und der Überfall der Pferdeherren auf die Kohorte von Uruk-hai und Orks, die Merry und Pippin verschleppt haben, zeigt stellenweise sogar das klassische Heranreiten, Wenden und über die Kruppe des Pferdes hinweg ausgeführte Abschießen eines Pfeilhagels, das bereits vor tausenden von Jahren die Griechen und Perser das Fürchten lehrte.

Und wenn ich an das Bild Éomers denke, wie er mit seinem kunstvollem Helm, dessen Naseneisen die Form eines goldenen Pferdekopfes hat und damit an diverse skythische Museumssammlungen erinnert, seinen herrischen Blick auf Aragorn, Gimli und Legolas richtet, muss ich sagen, dass dies soviel herrlich wilde Ausstrahlung hatte, dass ich mich wirklich in den Kinositz verkrallt habe. Wow.

Dass das stolze Volk der Rohirrim dermaßen lebendig werden würde, habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, und man meint fast, man sei tatsächlich mitten in Rohan gelandet. Dabei ist später im Film dem Lebensgefühl und dem ganzen verbliebenen Stolz eines dem Untergang geweihten Volkes allein durch die musikalische Untermalung Ausdruck verliehen worden, denn was hier durch die melankolische und doch starke Kombination von Streichern und Pauke rüberkommt, ist Gänsehaut pur. So ist jede Einstellung, die die Riddermark zeigt, erschreckend nüchtern und fürchterlich romantisierend zugleich. Wunderbar!

Und mit welcher Detailfreude gaukelt Jackson uns hier vor, wahrhaftige Geschichte zu zeigen! Besser als alles, was ich bisher gesehen habe! Moment mal, werden jetzt Einige sagen, kann ein Fantasiestreifen überhaupt geschichtlich präziser sein als alle Historienschinken, die man bisher ertragen hat?!

Ja, er kann! Die Schlacht um Helm’s Deep ist so realistisch, dass sie aus Funckens “Historische Waffen und Rüstungen” stammen könnte, als Paradebeispiel der Belagerung einer Festung. Hier stehen tatsächlich Bogenschützen hinter dem äußeren Festungsring, um im hohen Bogen die eigenen Reihen auf den Zinnen zu überschiessen und den Feind in einem tödlichen Regen zu baden, hier wird um jedes Tor und jeden Verteidigungsring gekämpft, hier wird der schmale Aufweg zum äußeren Tor mit einer Schildkrötenformation und einem Rammbock gestürmt, hier wird ein Ausfall durch das Schlupfloch gemacht, um den Verteidigern die Zeit für eine Verstärkung des zerschmetterten Tors zu erkaufen (Okay, es sind lediglich Aragorn und Gimli, statt einer kleinen aber handverlesenen Himmelfahrtsformation, aber das sind schließlich tolkiensche Superhelden, die schaukeln das Kindchen schon zu zweit und kommen auch noch lebend davon!), es werden vom kleinen Jungen bis zum zahnlosen Opa alle waffenfähigen Männer eingesetzt, um bis zuletzt standzuhalten - und selbst, als die Festung genommen ist, zieht sich der klägliche Rest in den Burgfried zurück, statt aufzugeben. Immer wieder zeigt Jackson dabei durch weitaufgerissene Kinderaugen und verzweifelt aneinanderhängende Frauen im finsteren Versteck tief im Innern der Festung, wie beklemmend es ist, in der trügerischen Sicherheit zu hocken und die Schlacht mit anhören zu müssen, nicht genau wissend, wie es draussen um die Angehörigen steht, aber mit recht guten Vorstellungen davon, was ihnen blüht, sofern die Verteidigung durchbrochen wird. Und er vermittelt auch, wie es ist, auf dem äußeren Wehrgang zu stehen und den Feind als schwarze Masse von Körpern vor sich zu sehen. Die Galgenhumor-Scherzereien zwischen Legolas und Gimli werden hierdurch nachvollziehbarer als sie es im Buch jemals waren, und dass Haldir mit seinen Bogenschützen entgegen jeder Romanvorlage plötzlich vor der Burg steht, um Verstärkung zu bieten, gibt Jackson die Gelegenheit, den Tod eines Helden zu zeigen. Hierdurch gewinnt die Handlung noch mehr Glaubwürdigkeit, denn während bei Tolkien alle Protagonisten lebend aus der Schlacht hervorgehen, werden bei Jackson durch den Tod des Elfen auch die Hauptrollen plötzlich verwundbar.

Schon klar, was Ihr jetzt wissen wollt: Bleiben durch dieses Schlachtenspektakel und die trick- und kameraführungsbedingte optische Überfütterung die Charaktere denn nicht auf der Strecke? Knappe Antwort: NEIN! Während die komplett computeranimierten Geschöpfe Baumbart und (ganz besonders!) Gollum schon schlichtweg fantastisch sind, muss ich hier eins ganz klar betonen: Éowyn ist hier endlich das, was sie in meinen Augen schon immer war: eine heimliche Hauptrolle. Ohnehin schon die einzige der involvierten Damen, die Tolkien hat kämpfen lassen in seinem Meisterwerk, ist sie auch diejenige, die bei Jackson bis in ihr gequältes Herz blicken lässt.

Miranda Otto ist fabelhaft in dieser Rolle, und sie scheint den goldenen Käfig, in dem Éowyn zu ersticken droht, tatsächlich selbst zu spüren. Dieser Frau nimmt man in jeder Sekunde ab, dass sie nichts sehnlicher wünscht, als ihrem Schicksal zu entfliehen und zur wilden Walküre zu werden. Otto macht aus der im Buch stellenweise noch recht kindlich-naiv wirkenden Schildmaid, die fast ausschließlich aufgrund einer verträumten Schwärmerei für Aragorn beschließt, ihrem Geschick als Frouwe eines königlichen Haushalts zu entfliehen, die legitime Antwort Jacksons auf die müde Lara Croft-Nummer von Angelina Jolie, und Jolies Schmollmündchen und Bomberbusen hin oder her - ich bin sicher, wenn Éowyn im dritten Teil endlich draufhauen darf, bleibt kein Auge mehr trocken und Hollywood hat seine geilste Amazone gefunden.

Mein Fazit zu diesem Streifen?

Starke Leistung aller Beteiligten, die die drei Stunden Spielzeit kaum wahrnehmen lässt, am Ende aufschreien lässt “War das etwa schon alles?” und das bevorstehende Wartejahr noch länger erscheinen lässt als dies bei den “Gefährten” der Fall war. Sollte Jackson eine derartige Leistungssteigerung wie von Teil 1 zu Teil 2 noch einmal schaffen, werde ich am Ende des dritten Streifens einen Herzinfarkt erleiden, keine Frage. Der zweite ist jedenfalls schon ein absoluter Hammer!!!

 

Zurück
 

[Home] [Warum nur?] [Ich] [Kranke Ansichten] [Filmfieber] [Anjas Ansichten] [Fremdverschuldet] [Guestbook] [Links]