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“Ich gehe nie wieder ins Kino. Peter Jackson ist Gott! Grade rausgekommen: heute Nacht kann ich nciht schlafen: totengeil!”
Das ist der Wortlaut der SMS, die ich als kommunikationsfreudige Person, die ich nunmal bin, vor drei Stunden an die übrigen Schnicksen geschickt
habe, unmittelbar nachdem ich den Kinosessel verlassen und die Quasselbüchse wieder angestellt hatte. Das war denn auch ungefähr eine halbe Stunde, nachdem meine Permanentgänsehaut während der Kampfszenen der
Reiterei von Rohan langsam nachließ. Wow! Ich bin immernoch platt und werde wirklich kein Auge zubekommen, denn diesen Streifen werde ich erstmal verdauen müssen.
Mal abgesehen davon, dass Jackson mit seiner Trilogie mein absolutes Lieblingsbuch schlichtweg meisterhaft verfilmt hat, ist Miranda Otto als
Eowyn einfach die perfekte Verkörperung meiner Lieblingsfigur aus dem Schmöker. Damit nicht genug, habe ich heute nicht im Kino auf dem Klappsessel gehockt, sondern höchstpersönlich eine Schlacht geschlagen, wie es
sie im Film meines Erachtens nach noch nie zuvor gegeben hat.
Ich war dabei, als Theoden (Bernhard Hill) die Reihen seiner Rohirrim abritt und mit dem Schwert die Speere seiner Mannen abgeklatscht hat. Ich
war dabei, als diese Riesenschar von Reitern in die Ebene von Minas Tirith hinunterdonnerte und tausende von Orks einfach hinweggefegt hat. Ich saß an Merrys Stelle mit auf dem Pferd, als Eowyn zwischen den Beinen
des gigantischen Kriegselefanten (Sorry, natürlich heissen die bei Tolkien Olifanten) hindurchritt, um dem Ungetüm die Sehnen zu durchtrennen, und ich habe höchstpersönlich den Dunklen König zerschmettert.
Ohne Scheiss, ich bin absolut pingelig, was die Choreographie von Kampfszenen angeht, und normalerweise bin ich bei sowas im wahrsten Sinne des
Wortes Zuschauer. Hier war das anders. Wie schon bei der Schlacht um Helms Klamm in “Die zwei Türme” hat Jackson hier neue Maßstäbe geschaffen, die so schnell niemand außer ihm erfüllen wird. Statt literweise Blut
zu verspritzen, setzt er auch diesmal einfach die beklemmende, ausweglose Stimmung vor dem Kampf um, die sich in einem Tobsuchtanfall gegenüber dem Feind entläd. UND ICH WAR DABEI!!! Was für ein fantastisches
Erlebnis: In dem Moment, in dem das gesamte Heer “TOOOOOOD!!” brüllt und Karl Urban als Eomer wild entschlossen seine Waffe schwingt, stehen mir sämtliche Haare zu Berge, ich kralle mich in die Armlehnen und habe
meine liebe Not, nicht mitzubrüllen. Lena neben mir geht es genauso, und sogar die sonst üblichen, herrlich bissigen Kommentare meine Mum sind ausnahmsweise mal verstummt. Und obwohl dieses Gemetzel überall um mich
herum stattfindet, ist hinterher nicht das sonst häufig bei mir festzustellende Gefühl von “War das geil blutig!” da, sondern eher ein erleichtertes “Gott sei Dank, ich lebe noch!”. Meines Wissens war Jackson
niemals Soldat, aber mit dieser Schlacht macht er uns alle glauben, wir seien Krieger, die Seite an Seite mit den Protagonisten dafür kämpfen, dass Frodo (Elijah Wood) das nötige letzte Quentchen Zeit erkauft werden
kann.
Was bleibt ansonsten zu sagen?!
Die komplette Besetzung ist genau wie in den beiden Vorgängerfilmen hervorragend. Sams (Sean Astin) selbstlose Freundschaft zu Frodo ist
herzzerreissend dargestellt (Ich will auch einen Sam haben!), genauso wie Frodos innere Zerrissenheit zwischen dem Ziel, Den Einen Ring zu vernichten und seine Welt vor Sauron zu retten, und dem unersättlichen
Verlangen, den Ring für sich zu behalten und ihm ganz und gar zu verfallen. Sméagol/Gollum sind so herrlich schizophren wie bereits in den “Zwei Türmen”, Gimli und Legolas erscheinen mehr denn je als dicke Freunde
(und Orlando Bloom sieht wiedermal nach sexy-schwule Elfe aus). Viggo Mortensens Aragorn ist ein König, wie ihn sich alte Rollenspieler immer wieder in ihren kühnsten Träumen ausgemalt haben. Und meine Eowyn-Miranda
ist ein Gedicht in meinen Augen. Kein aufgesetztes Männerimitat, sondern einfach eine Frau, die tut, was ihr Gewissen ihr vorgibt.
Eins fand ich heute übrigens erschreckend: wer das Buch gelesen hat, weiss, dass hier schwer aufs Mett gehauen wird. Dass Kankra, der monströse
Grund meiner arachnophobischen Albträume der nächsten drei Wochen, auftauchen würde, dass die abgeschlagenen Köpfe der Krieger von Gondor von den Orks in die belagerte Stadt katapultiert werden würden, dass Denethor
versuchen würde, sich und seinen Sohn Faramir lebendig zu verbrennen - und trotzdem waren von den Zuschauern mindestens die Hälfte Kinder. Ich rede hier nicht von dreizehn- vierzehnjährigen Halbstarken, sondern von
Kiddies zwischen 8 und 10 Jahren, die in Begleitung von Mama, Papa oder beiden im Puplikum hockten und bei diversen Szenen gründlichst traumatisiert worden sein dürften. Die Kleine, die zwei Sitze neben mir am Arm
ihres Vaters klammerte und schluchzte, wird genau diesen hoffentlich jedes Mal, wenn sie wegen des Gesehenen sachreiend aufwacht mit aufwecken.
Nur, weil der Film nicht vor Blut trieft, heisst das noch lange nicht, dass den jeder Knirps ansehen und verkraften kann. Kein Wunder, wenn im
Zeichen des Jugendschutzes gnadenlos zensiert und geschnitten wird, wenn es tatsächlich so viele verantwortungslose Eltern gibt. Und krass in meinen Augen, dass dieser Film den FSK 12 hat.
Nichts desto trotz: Egal, was ich noch alles an Filmen sehen werde in meinem Leben: Jacksons “Herr der Ringe”-Trilogie wird nix mehr toppen
können, da bin ich sicher. Und wenn man Jacksons Interviews liest, stellt man fest, dass der das ganz genauso sieht. Das lässt zuhoffen, dass es keine Verfilmung des kleinen Hobbits geben wird, egal, wie sehr die
meisten Ring-Fans danach schreien mögen.
Die abgedrehten drei Filme sind ein Juwel der Filmkunst. Ein Buch, dass eigentlich unverfilmbar war, wurde so treffsicher in Bild und Ton
umgesetzt, dass ich dem pummeligen Neuseeländer auf ewig dankbar sein werde für dieses im Grunde wahnwitzige Projekt. Aber: Das Werk ist so, wie es ist, abgeschlossen. Punkt. Auch wenn mit dem kleinen Hobbit der
Stoff für ein hervorragendes Prequel im Raum steht, würde eine Verfilmung dieses Buches Tolkien kaum gerecht werden können.
Jackson weiss das. Und dreht statt dessen lieber eine Neuauflage von “King Kong”. Braver Junge. Ich hingegen werde so schnell wie möglich auch
noch Stinnamaus in diesen Film schleppen. Und dieses Mal brülle ich dann tatsächlich “TOOOOOOOOOOOOOOD!!!!”
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