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09.04.2006

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Ghost Dog - 
Der Weg des Samurai

Manchmal muss man von anderen mit der Nase drauf gestoßen werden, um nen richtig guten Streifen zu sehen. In diesem Fall hat man mir nicht nur mit Schmackes nen Zaunpfahl, sondern fast nen kompletten Jägerzaun um die Ohren gedengelt, bis es mich so kirre gemacht hat, dass ich mir “Ghost Dog” kurzerhand einfach bestellt habe.

Zum Glück!

Worum genau geht es eigentlich?

Nun, da wäre zum einen Ghost Dog (Forest Whitaker), ein riesiger, fleischiger Schwarzer, der zusammen mit seinen Tauben auf dem Dach eines mehrstöckigen Hauses lebt und dessem wichtigster Besitz das Buch “Hagakure” ist: ein Lehrbuch aus Japan, dass den “Weg des Samurai” beschreibt. Während des Films werden immer wieder Passagen aus dem Buch zitiert, die einem hierdurch Ghost Dogs Denkweise näher bringen.

Der Protagonist arbeitet als professioneller Killer, und das recht beeindruckend. Als er in die seltsamen familiären Verhältnisse eines abgewrackten Mafiaclans gerät, der ihn über seinen einstigen Lebensretter Louie (John Tormey) erst für einen Mord beauftragt und ihn anschließend für eben diesen Mord selbst beseitigen will, reagiert er streng nach dem von ihm verinnerlichten Samurai-Kodex und beginnt, systematisch die Mafiosi auszuschalten...

Hier mal kurz ein Auszug aus der Mail, die ich nach dem ersten Ansehen an meinen Hinweisgeber gesendet habe:

“1. Der Held ist ein normaler Mensch, kein Kampfwürstchen à la Jet Li,
Wesley Snipes, Van Damme o.ä., was irgendwie richtig was für sich hat. Ich
meine, der Mann ist eine taubenzüchtende Schrankwand, und trotzdem nimmt
man ihm die Sache ab. Das allein ist schon grandios.

2. Diese Idee, dass sein bester Freund und er sich angeregt unterhalten,
ohne sich zu verstehen (und ich sprech kein Französisch, ich hab's also
größtenteils auch nicht wirklich verstanden, was Raymond (? ich glaub, so
hiess er) sagt), und das für die beiden und den Zuschauer sogar SINN macht,
ist ein Hammer.

3. Die Mafia-Möchtegerns sind herrlich. Sein Patron erinnert mich optisch
stark an den Don bei den Simpsons, aber insgesamt ist das nur noch ein
Haufen alter Säcke, die einem irgendwie schwer leid tun in ihrem Versuch,
als echte Bedrohung durchzugehen. Allein der Feldzug gegen die
Taubenfraktion ist so lächerlich, dass er schon wieder gut ist.

4. Der Film ist neben "Tiger and Dragon" der ruhigste Actionfilm, den ich
kenne. Es sterben haufenweise Leute, und man bleibt trotzdem gelassener
Beobachter. Und dennoch wird es nicht langweilig. Das muss man als
Regisseur erstmal schaffen.

5. Teilweise Wahnsinnsdialoge: allein diese Nummer, wo ausdiskutiert wird,
dass Ghost Dog sich via Taube kontaktieren lässt, ist himmlisch komisch.”

Wenn man wollte, könnte man den Film Szene für Szene zerpflücken und würde dabei auf etliche kleine, faszinierende Details stoßen. Dann bräuchte ihn aber auch keiner von Euch mehr ansehen, und das wäre schade, denn Jim Jarmusch hat hier einen völlig abgedrehten, “anderen” Film geliefert, der, wie mein Diskussionspartner schon ganz treffend sagte, zwar Stoff für stundenlange Gespräche liefern, aber gleichzeitig auch einfach für sich selber stehen kann.

Wer “Dead Man” mag, sollte sich “Ghost Dog” nicht entgehen lassen. Wer Jarmusch nicht kennt, sollte sich vor dem Ansehen noch einmal vor Augen halten, dass dies kein Streifen ist, in dem man vor Spanmnung nahezu umkommt: das hier ist, wie der Mafia-Oberspacken Ray Vargo (Henry Silva) richtigerweise feststellt, “Poesie. Die Poesie des Krieges”. Dem hab ich erstmal nichts hinzuzufügen.

Ansehen!

 

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