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In “Gilbert Grape” war Leonardo DiCaprio genial als Johnny Depps jüngerer Bruder mit Schwerstbehinderung. Allein aus diesem Grund habe ich ihn mir
auch in “Marvin’s Töcter” reingepfiffen und für gut befunden. Da der Junge echt gut war, bin ich dann sogar zu “Titanic” ins Kino marschiert: Böser Fehler...
Nach dem, was Leo da abgeliefert hatte, hatte ich auf den neuen Schwiegermüttertraum und Mädchenschwarm mit Milchbubi-Image absolut keinen Nerv
mehr, und dass ich bis heute “The Beach” nicht gesehen habe, tut mir in keinster Weise leid.
Und dann kam die erste
gerüchteweise Nachricht, dass Mister “Ich bin der König der Welt” mit Martin Scorsese an dessen Lebenswerk “Gangs of New York” basteln würde. Scorsese würde doch wohl hoffentlich schaffen, das
alte, untergebuddelte Talent wieder hervorzukramen und das Bravoposter-Babyface wieder zu einem gescheiten Schauspieler werden lassen, oder?!
YESSIR!!! Und nicht nur den!
Als es hiess, dass Scorsese auch Daniel Day-Lewis aus dem Ruhestand geholt
hatte, wusste ich, dass dieser Streifen für mich ein Hammer werden würde, und auch eine Cameron Diaz darf endlich zeigen, was sie alles kann. Für
“Drei Engel für Charley” hätte ich der ja beinahe meine Gunst entzogen, aber hier ist die Dame nicht nur zuckersüß wie immer (Jaaaaa, Carsten, das
Lächeln ist spitze...) sondern bringt richtig was rüber. Diese Frau ist nicht nur für die leichte und seichte Hollywood-08/15- “Grins und wackel mit den Titten”-Kost zu gebrauchen, meine Herren! Die kann richtig was!
Aber vielleicht mal zum Inhalt:
Der Streifen schildert die
Geschehnisse rund um die Five Points, ein Fleckchen New York im 19. Jahrhundert. Er zeigt nicht nur den knallharten Alltag im Armenviertel mit (wie der Titel schon vermuten lässt) detailfreudig blutigen
Darstellungen der Fights unter den Streetgangs, sondern greift auch Themen wie die Politik der damaligen Zeit, Rassenhass und Religion auf. Nebenbei gibt’s Liebe, Hass und Gewissenskonflikte sowie
völlig neue Facetten des Begriffes “Restalkohol” und des Satzes “Ich habe immer ein Ohr für Dich”.
Der Flick dreht sich um Amsterdam (Leo), den Sohn des “Priest” genannten Gangleaders der “Dead Rabbits” (Liam Neeson). Diese Gang von irischen
Einwanderern steht im erbitterten Krieg mit den sogenannten “Natives”, die bereits in erster oder zweiter Generation in der neuen Welt geboren sind
und daher der Meinung sind, einen legitimen Anspruch auf das ehemalige Indianerland zu haben (Männerlogik...).
Amsterdam muss mit ansehen, wie sein Vater von Billy The Butcher (Day-Lewis), dem Anführer der “Natives”, getötet wird, und wird selbst
gefangen und in ein Waisenhaus gesperrt. Jahre später kehrt er in sein altes Viertel zurück auf der Suche nach Rache für Daddy und Frieden für die eigene Seele. Er findet nicht unbedingt nur Freunde, aber immerhin
Jenny (Miss Diaz), eine exzellente Trickdiebin, sowie Johnny (wer immer den auch spielt, ich kenne ihn nicht, aber die Frisur ist schrecklich!), einen Kumpel aus Kindertagen.
Um seine Rache zu bekommen, schließt er sich dem Butcher an, der natürlich
keine Ahnung hat, wen er sich da als “Sohn, den er nie hatte” heranzieht. Für Amsterdam verschwimmen bald die Linien zwischen Freund und Feind, so
dass er sogar das Leben des Metzgers rettet, wo er ihn doch eigentlich nach wie vor mausetot sehen will...
Ein Megaspektakel an
Kämpfen, absolut räudige Straßen und noch fiesere Spelunken, das Aufgreifen der Imigrantenproblematik und der Bürgerkriegs- unruhen machen diesen Film mit 166 Minuten so spannend, dass man sich
keine Sekunde langweilt. Sogar ich habe es kaum geschafft, mal ein paar dumme Kommentare einzuwerfen, und das liegt nicht zuletzt an den fantastischen Leistungen der drei Hauptdarsteller.
Day-Lewis ist ein Bösewicht von der Sorte, wie man sie gerne sieht: ein fieses Arschloch, das es trotzdem schafft, gelegentlich sympathisch zu sein,
mit so viel Charisma, dass es keinesfalls lächerlich wirkt, wenn er sich von seinen Untergebenen feiern lässt. Für diesen Streifen hat sich die Rückkehr
aus dem Ruhestand gelohnt: Daniel ist grandios, und “Gangs of New York” bildet einen würdigen Abschluss für seine Karriere. Den Oscar, für den er nominiert ist, hat er in meinen Augen absolut verdient.
Leo dagegen handelt endlich mal wie’n Kerl und nicht wie’n Kindchen. Die innere Zerrissenheit mit einem gewissen Maß an Hingabe und Zuneigung für
den Mörder seines Vaters und dem gleichzeitig brodelnden abgrundtiefen Hass auf den selben Menschen kommt hervorragend rüber. Das Schwanken zwischen Coolness und Aufruhr spürt man als Zuschauer fast am eigenen Leib.
Diaz ist zwischen dem
väterlichen Ex-Lover und dem jungen Wilden hin- und hergerissen, während sie klarmacht, dass ihre Jenny nicht nur die äußerlich sichtbaren Narben davongetragen hat in ihrem Leben. Die Szene, in der sie
den Butcher verbindet, zeigt mit einfachen Gesten so viel Vertrautheit und Verbundenheit, dass meine Mama sich zu Lena und mir rüberbeugte und sich zu dem Kommentar “Das ist bestimmt seine Tochter”
hinreissen liess (Antwort Lena: “Dachte ich auch grade!”). Hier wird trotz Tränen ein toughes Mädel gezeigt, dass ihren eigenen Weg konsequent zu Ende gehen will. Seeehr gute Arbeit.
Für gelegentliche Lacher ist ebenfalls gesorgt (Ich sach nur FEUERWEHR!!!), und Lena und ich werden auf der nächsten Sauftour
definitiv mal versuchen, ob wir unsere Drinks mit fremder Leute Körperteieln bezahlen können nach dem ausgegebenen Motto “Nasen und Ohren sind die Trophäen des heutigen Tages”.
Freue mich auf jeden Fall jetzt schon auf die DVD und besonders auf den O-Ton.
Dieser Film RUUUUUUUULT!!!!
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