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Ihr wisst, ich bin absolut begeistert von Frank Millers düsteren Comics, sei es sein Batman, sei es die Sin City-Reihe. Ihr wisst, ich liebe gut choreographierte Action, insbesondere wenn perfekt durchdachte
Waffengefechte gezeigt werden. Ihr wisst, ich weiss angenehm zu beguckende, junge, charismatische Männer auf der Leinwand zu schätzen. Ihr wisst genau, was jetzt nur kommen KANN…
Zack Snyders („Dawn of the Dead“) „300“ schildert eine Interpretation der
legendären Schlacht bei den Thermopylen, einem schmalen Pass, in dem sich ein zahlenmäßig weit unterlegenes griechisches Heer einer persischen Invasionsstreitmacht stellte.
Der heroische Protagonist ist Leonidas (Gerard Butler, „Die Herrschaft des Feuers“, „Timeline“ sowie Titelrolle in „Das Phantom der Oper“), König der Spartaner, hineingeboren in und
durchströmt von der den Krieg glorifizierenden, elitären, durch und durch KRANKEN Gesellschaft von perfekten Tötungsmaschinen. Sparta als Ganzes ist wichtig, Sparta als
Stadtstaat ist, was zählt, und der Einzelne ist hiervor klein und nichtig. Nichts ist ehrenvoller, als für Sparta im Kampf zu fallen, nichts ist wichtiger, als den wahnsinnigen Vorstellungen von
Mut, Stolz und Ehre gerecht zu werden. Wer diesen Anforderungen nicht genügen kann, wird erbarmungslos ausgesiebt.
Diese „harmonische“ Gesellschaft wird bedroht von Xerxes (Rodrigo Santoro, der schnuckelige Karl aus „Tatsächlich... Liebe“), dem persischen Herrscher, der sich selbst für einen Gott
hält, und der auch von Sparta den Treueschwur hören will…
Wilde, dämonisch-schauerschöne Schlacht(en)szenen, die ganze brutale, mitreissende,
elektrisierende Ästethik, die man in einen Schwertkampf legen kann, traumhaft gut gemachte Sequenzen in der spartanischen Phalanx, durchwebt vom irrwitzigen Pathos nur als abartig zu
bezeichnender Moralvorstellungen – 300 setzt die Atmosphäre aus Millers Comic wunderbar um, reisst mit, lässt gar nach noch mehr Blut geifern. Und trotzdem hört man bei all dem nicht damit
auf, sich immer wieder kopfschüttelnd selbst zu sagen „Himmel, sind DIE krank…“.
Bei der Veröffentlichung des Filmes gab es Stimmen, die schrien, der Streifen sei reinste
Propaganda für den Irakkrieg… Nun gut. Wer den Film sieht und ernsthaft einer der Spartiaten sein möchte, soll meinethalben gern sein Leben im nahen Osten beenden fürs Vaterland… In
MEINEN Augen zeigen sowohl Millers Comic als auch Snyders Film zwei jeweils auf ihre Art besessene Herrscher, die sich darum bekriegen, wer das Sagen hat in Sparta. Für jeden scheint
die Idee, ein anderer könne ihm das Wasser abgraben, unerträglich, wobei es für Leonidas eher um alles oder nichts geht, während Xerxes seinen Status als fleischgewordener Gott wahren will.
Was beeindruckend ist, ist allerdings die Beziehung zwischen Leonidas und seiner Königin Gorgo (bildschön und echt tough: Lena Headey, „Brothers Grimm“). Obwohl als König absoluter Herrscher des
Stadtstaates, verständigt sich Leonidas stumm mit seiner Frau, bevor er den persischen Botschafter kurzerhand in einen Brunnen stürzt, berät sich mit ihr, bevor er mit seinen 300 „Leibwächtern“ entgegen
dem Rat des Orakels in die Schlacht zieht und denkt selbst im Angesicht des Todes noch an sie. Umgekehrt lässt Gorgo nichts unversucht, ihrem Mann den Rest der Spartiaten zur Hilfe zu
senden, und macht selbst vor einem Pakt mit dem verhassten Ratsmitglied Theron (Dominik West, „Hannibal Rising“, „Chicago“, „Die Vergessenen“) nicht Halt. Butler und Headey wirken dabei, als
seien sie nicht nur auf der Leinwand ein Paar, sondern tatsächlich verwandte Seelen. Einfach gut gemacht. Sowas will ich auch…
Nur irgendwie weigert sich mein Schatz immernoch standhaft, mich „seine Königin“ zu nennen… ;)
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