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Ein kleines Dörfchen in
Frankreich Ende der 50er, idyllisch gelegen und hübsch anzusehen, aber leider nicht ganz so friedlich, wie es zunächst ausschaut: das ist der Ort, an den es die unkommerzielle Vianne (Juliette Binoche, “Der
englische Patient”) und ihre kleine Tochter Anouk (niedlich: Victoire Thivisol) verschlägt.
Hier wahren alle den schönen Schein, um nicht aus der Reihe zu tanzen und somit Leuten wie dem Bürgermeister (herrlich spiessig: Alfred Molina, “Spiderman 2”) Munition für die fiesen kleinen Intrigen zu bieten, die dieser Mann nur zu gern spinnt. Dabei ist sein eigenes Leben alles andere als
geordnet: seine Frau ist auf unbestimmte Zeit nach Italien verreist (man könnte auch sagen, sie hat ihn verlassen, aber das schickt sich nunmal nicht), während seine rechte Hand, Caroline (Carrie-Anne Moss, “Matrix”), längst bereit wäre,
den Platz der Entflohenen einzunehmen. Unfähig, zuzugeben, dass er eben doch nicht alles so ordentlich im Griff hat, versucht er durch Zensur der Predigten des Pastors und strenges Fasten
statt durch simple gute Taten seinen Mitmenschen gegenüber ein besserer Mensch zu werden.
Na, selbstverständlich ist die Aufregung da groß, als Vianne ausgerechnet in
der österlichen Fastenzeit eine Chocolaterie eröffnet! Aber selbst die kleinen Feldzüge des Bürgermeisters können die Bewohner nicht davon abhalten, den
neuen Laden zu besuchen. So kommen nach und nach Gäste wie Armande (die unvergleichliche Judy Dench), Carolines Mutter, die ihren Enkel nicht mehr sehen darf, oder Josephine (anrührend: Lena Olin, “Der 13te Krieger”), die kleptomanisch veranlagt ist und von ihrem Mann Serge (Peter Stormache) regelmäßig misshandelt wird, um mit Viannes Schokolade und ihrer
Lebensfreude die eigenen Kräfte wiederzufinden.
Und dann ist da noch Roux (Johnny Depp, “Fluch der Karibik”, “Benny & Joon”), der “Flusspirat”, der Vianne irgendwie den Kopf verdreht...
Dieser Film ist das, was man wohl gemeinhin als “Frauenfilm” bezeichnet, aber er ist fantastisch.
Nicht nur, weil die Besetzung so exquisit und spieltechnisch einfach wunderbar ist, sondern auch aufgrund der Filmmusik und der unvergleichlichen
Regiearbeit Lasse Hallströms (“Gottes Werk und Teufels Beitrag”, “Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa”). Der Film ist leicht, fast beschwingt stellenweise,
und gleichzeitig von einer gewissen Schwere, eine hervorragende Mischung von Stimmungen, die auch gerade die einzelnen Charaktere so wunderschön herausbringt: den innerlich zerrissenen Bürgermeister, die selbstbewusste Vianne, die insgeheim Angst hat, sich zu sehr auf irgendetwas
einzulassen, die geschundene Josephine, die endlich den Mut sammelt, Serge die Stirn (genauer gesagt: die Bratpfanne) zu bieten, Anouk, die im Grunde nur ein
Zuhause sucht, Armande, die nichts sehnlicher wünscht, als endlich Frieden mit ihrer Tochter zu schliessen...
Auf eins muss man sich natürlich gefasst machen: sofern man Schokolade im
Haus hat, ist die am Ende des Films ratzeputz weg, und man denkt ernsthaft drüber nach, notfalls an der Tanke noch schnell Nachschub zu besorgen, hehe.
Wunderbarer Sonntagsfilm zum Kissen knuddeln und entspannen.
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