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09.04.2006

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Das Leben als Team

Im September ist hier in Höxter ein Haus in die Luft geflogen. Davon abgesehen, dass die Sache ziemlich dramatisch und für die Bevölkerung ein riesiger Schock war hat ein Azubi in der Nähe von diesem Haus gewohnt. Richtig, gewohnt!

Bob wohnt jetzt bei mir und das kam so:

Die Explosion löste eine solch starke Druckwelle aus, dass das alte Fachwerkhaus in dem Bob lebte, sich bewegte und es muss ein ziemlicher Schock sein, morgens wach zu werden, noch völlig im Tran das Beben und das Hauswackeln mitzukriegen und völlig ohnmächtig mitanzuschauen wie sich alles bewegt. Die Angst ging soweit, das Bob nicht mehr alleine zu Haus bleiben wollte und nachts Freunde bei ihr schlafen mussten. Und das so eine Situation auf Dauer keinen Spaß macht war allen klar. Und so kam mir Idee: Zieh doch zu mir

Vier kleine Worte, die seit September mein Leben komplett auf den Kopf gestellt haben. Zuerst kam der Einzug mit Möbel schleppen und Kisten packen. Ich hab meine 58qm Wohnung auf den Kopf gestellt. Hab Zeug was unütz war in den Keller gestellt. Meinen riesigen Kleiderschrank um die Hälfte geleert, Regale frei geräumt, Platz im Badezimmer geschafft und mein Wohnzimmer für die Schlafcouch umgeräumt.

Ich fand es spannend etwas neues auszuprobieren und hab mich tierich auf den Einzug gefreut. Die erste Zeit haben wir Tag und Nacht zusammen gehangen. Pläne geschmiedet. Sind zusammen bowlen gefahren und haben bis in die Nacht gequatscht. Es war alles super tuffig und es war genial nach Hause zu kommen und jemand war da. Einfach nur da!

Aber der Alltag holt eine gute WG spätestens beim Abwaschen, den gemeinsamen Einkäufen, dem liegen gebliebenen Sachen und der Wäsche wieder ein. Ich musste lernen, die Waschmarotten und Wegräumaktionen zu ignorieren. Sie musste lernen, dass ich pedantisch im Putzen vom Badezimmer und Küche bin. Das Sie als dekoration im Raum für mich nicht ausreichend ist und ich zu Weihnachten alles voll gepackt hab. Natürlich hab ich dabei auch ne Menge aAbstriche gemacht. Jeder von uns beiden musste ne Menge schlucken. Jeder von uns hat bis dahin allein gelebt und musste nicht auf die Details achten. Doch jetzt lebt noch eine andere Person mit in den vier Wänden. Es war hart für mich, festzustellen, dass ich nicht mehr Nachts Besuch empfangen so wie ich wollte ohne leise zu reden.

Ich bin ein harmoniesüchtiger Mensch und hab an manchen Tagen mit mir gehardert ob ich ich eine Streit provoziere oder lieber die Haare selbst (vom Duschen meiner Mitbewohnerin vorher) ohne Kommentar aus dem Abflußsieb nehme. Ich bin ruhig geblieben und versuche mir keinen Stress zu machen und das gleiche tut sie auch. Wir gehen sehr diplomatisch miteinander um und wenn uns beiden die 4 Wände auf den Kopf fallen oder der andere einfach durch bloße Anwenheit stört verziehen wir uns.

 Es läuft gut.

Klar gibt es die Momente in denen ich nich verstehen, warum sie seit 4 Tagen sagt, dass sie abwaschen will und es am 5. Tag auch nicht geregelt kriegt obwohl ich genau weiß, dass sie den ganzen Tag nur faul auf Sofa gelegen hat. Genauso wie es mich stört, dass sie ihre Hausaufgaben für die BBS nicht macht und nur große Töne posaunt. Aber ich muß lernen nicht alles so ernst zu nehmen. Sie ist alt genug und wird wissen was sie tut- Und da ist es schon wieder das "Mutter-Syndrom". Ich bin in manchem echt wie meine Mutter und hab mir geschworen nie so zu werden. Naja, Mama wird mir verzeihen aber sie ist schließlich auch wie meine Oma geworden obwohld sie sich gewehrt hat wie ein Mann.

Unser WG-Leben wird aller Vorraussicht Mitte bis Ende diesen Jahres enden und ich weiß jetzt schon, das ich heulen werde. Denn es war noch nie so entspannend einfach ins Nebenzimmer zu gehen und zu quatschen und den ganzen Seelenmüll von einem Tag bei jemandem der einen einigermaßen gut kennt, abzuladen.

Es war noch nie so schön, schweigend morgens aufzuwachen und weiter zu schweigen, weil man weiß der andere ist morgens auch kein großer Redner.

Ich könnte nie mit Steffie zusammen lben, sorry aber du quatscht mir einfach zuviel. Im Zeltlager für 1 Woche kein Problem!! Aber auf Dauer??!!

Das gemeinsame "zur Arbeit gehen" macht auch Spaß obwohl Bob IMMER auf mich warten muß. Ich kann halt nicht punkt halb fertig sein, ich bin mindestens 5 Minuten später fertig.

Auch die gemeinsamen Kochaktionen mit Steffie sind was echt feines wenn der ganze Dreck danach nicht wäre.

Unser WG-Leben ist eine feine Sache solange beide wissen,wann Schluß ist und den anderen einfach in Ruhe lassen. Ma gucken, was in den nächsten Monaten noch so passiert oder ob es Todesopfer zu beklagen gibt  ;-)

 

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